Die Hanse

Das Wort „Hanse“ bezeichnet zunächst eine Kriegsschar, dann erweitert auf einen genossenschaftlichen Zusammenschluß mit gleicher Zielsetzung und gewissen Vorrechten, wird es schließlich speziell auf Kaufmannsgemeinschaften bezogen. Die Hanse verdankt ihre Entstehung dem Problem, das sich aus der Rechtlosigkeit des Fremden ergab. Denn das Risiko des Fernhandels war für einen Einzelnen untragbar, so daß man sich zu bewaffneten Scharen (hansa) zusammenschloß.

Vorläufer der Deutschen Hanse als Städtehanse war die Kaufmannshanse, die Mitte des 12. Jh. ihren Ursprung hat, als Kölner Kaufleute 1157 eine eigene Gildehalle in London erhielten. In der Folgezeit konnte die Hanse durch Privilegien (Festsetzung des Zolls, teilw. Abgabenfreiheit, Stapelrecht, Stapelpflicht für fremde Waren) in wichtigen ausländischen Handelsstädten Kontore gründen, die als Wohnung für Kaufleute und als Stapelplatz dienten (Brügge, Bergen, Nowgorod, Venedig). Zentrum des Hansehandels wurde der Ostseeraum und damit der Warenaustausch von Ost nach West und umgekehrt. Schon 1161 wurde deswegen von verschiedenen dt. Händlern die Stadt Visby auf Gotland gegründet, die sich im Laufe der nächsten Jahrhunderte zum Mittelpunkt des Hansehandels entwickelte.

Ende des 13. Jh. vollzog sich dann der Schritt von der Kaufmannshanse zur Städtehanse, als sich über den Umweg regionaler Bunde unter der Führung Lübecks die deutsche Städtehanse bildete. Dies wurde begünstigt durch die Ablösung des Wanderhandels vom Schriftverkehr, von Kredit- und Kommissionsgeschäften, die die Fernhändler seßhaft machten. 1358 fand in Lübeck der erste Hansetag statt, der dann später drittel- bzw. vierteljährlich tagte. Auf unterer Ebene gab es zusätzlich Regionaltage. Obwohl die Hanse ohne feste Verfassung, ohne Oberhaupt oder Stammkapital war, galten die Beschlüsse der Hansetage für alle Anwesenden verbindlich. In ihrer Blütezeit waren über 160 Städte in der Hanse, von denen 70 - 80 feste Mitglieder waren. Die wirksamste Waffen gegen Konkurrenten war die Verhansung (Warenboykott eines Hafen oder Landes).

Auch politisch und militärisch trat die Hanse (als Bündnis einzelner Hansestädte) gemeinsam auf, um ihre Interessen zu schützen. Hauptgegner wurde dabei Dänemark, dessen Könige immer wieder Anspruch auf die Südküste der Ostsee und die Kontrolle des Ostseeingangs erhoben. 1361 eroberte König Waldemar IV. Gotland und sperrte den Sund, doch in den folgenden Kämpfen setzte sich die Hanse durch. Im Frieden von Stralsund (1370) erhielt die Hanse wieder die freie Durchfahrt durch den Sund und Handelsrechte im dänischen Gebiet. Außerdem sollte die Wahl eines dänischen Königs nur unter Zustimmung der Hanse erfolgen. Auch im Kampf gegen die Piraten von Klaus Störtebecker (um 1400) konnte sich die Hanse behaupten. Durch den Sieg gegen den Dänen konnte sich die Hanse als norddeutsche Großmacht etablieren und erlebte ihre wirtschaftliche Blüte. Im 15. und 16. Jh. ging dann die wirtschaftliche Bedeutung mit dem Entstehen der Territorialstaaten langsam zurück. Privilegien (1494 Auflösung des Peterhofes, 1557 Verlust der Privilegien in England, 1598 Schließung des Stalhofes) wurden zugunsten der eigenen Händler aufgehoben. Zudem drängten die erstarkenden dt. Territorialherren ihre Städte dazu, den Bund zu verlassen. Dennoch blieb die Hanse bis zum 30jährigen Krieg die größte multinationale Handelsmacht, doch die Phase von 1618 - 1648 war dann ihr Todesstoß. Der letzten Hansetag fand 1669 in Lübeck statt, doch formell ist die Hanse nie aufgelöst worden.