Der Dreißigjährige Krieg ist eine Sammelbezeichnung für mehrere Kriege um die Vorherrschaft in Europa von 1618 bis 1648, verursacht durch die konfessionellen und politischen Gegensätze zwischen dem Reich und Habs-burg.
Nach dem Augsburger Religionsfrieden (1555) verschärften sich die konfessionellen Gegensätze, was zu einem Konflikt der Reichsstände untereinander (1608 protestantische Union, 1609 katholische Liga) und zwischen ihnen und dem Kaiser führte. Auslösend für den Krieg war letztendlich der Prager Fenstersturz (23. Mai 1618), als die kaiserlichen Statthalter von Abgesandten des böhmischen Protestantentages aus dem Fenster der Prager Burg gestürzt, aber nicht getötet wurden. Nach dem Tod des habsburgischen Kaisers Matthias (1619) gaben sich die Böhmen eine eigene ständische Verfassung und luden alle Länder der habsburgischen Herrschaft ein, ihnen zu folgen. Der Unionsführer Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz ließ sich im Herbst zum neuen Böhmenkönig krönen. Damit weitete sich der Konflikt über Böhmens Grenzen aus. Der neue Kaiser Ferdinand II. (1619 - 1637) verbündete sich gegen Friedrich V. mit Herzog Maximilian von Bayern (er erhielt später die böhmische Kurwürde), dem Haupt der katholischen Liga. In der Schlacht am Weißen Berge (1620) bei Prag wurde das böhmische Heer geschlagen. Die Anführer des Aufruhrs in Böhmen und Mähren wurden hingerichtet, die beteiligten Deutschen sowie Tschechen mußten das Land verlassen und der Katholizismus wurde zwangsweise wieder eingeführt; 150.000 Protestanten flohen. Böhmen wurde in die habsburgischen Erblande eingegliedert. Im Reich löste sich die Union auf, so daß nur noch einige protestantische Heerführer versuchen, die Ober- und Kurpfalz zu verteidigen.
Unter dem Eindruck dieser neuen kaiserlich-katholischen Machtstellung stießen die norddeutschen Protestanten unter Christian IV. von Dänemark (Herzog von Holstein) gegen Süden vor (1625). Die Heerführer Tilly (katholische Liga) und Wallenstein (kaiserliche Armee) konnten die protestantischen Truppen bis 1629 zurückdrängen. Daraufhin verpflichtete sich Dänemark im Frieden von Lübeck bei Rückerhalt seiner besetzten Gebiete zur Nichteinmischung in deutsche Streitigkeiten. Noch vor dem Friedensschluß erließ Ferdinand II. das Restitutionsedikt, das die Rückgabe aller geistlicher Güter vorsah, die seit dem Passauer Vertrag (1552) unter protestantische Herrschaft gelangt waren (Internationale Reaktionen).
Während der schwedische König Gustav II. Adolf im Juni nach Rügen und Pommern übersetzte, wurde auf Betreiben Maximilians I. von Bayern Wallenstein auf dem Kurfürstentag zu Regensburg entlassen. Ferner soll Ferdinand II. die Kriegsführung und die Außenpolitik der reichsständischen Kontrolle unterwerfen. Nach einem Bündnis mit den norddeutschen Fürsten konnte Gustav II. Adolf Tilly besiegen, Bayern mußte kapitulieren.
Ferdinand II. rief Wallenstein (1632) zurück, Ende des Jahres kam es zu einer ausgeglichenen Schlacht, doch Gustav II. Adolf fiel. 1633 bildete sich der Heilbronner Bund (protestantische Reichsstände unter schwedischer Führung). Wallenstein wurde im Frühjahr 1634 von seinem Kommando enthoben, geächtet und ermordet, sein Nachfolger Gallas siegte bei Nördlingen gegen die Protestanten, der Heilbronner Bund löste sich auf. Es kam 1635 zum Frieden von Prag zwischen dem Kaiser und Kursachsen: Ausschluß des Calvinismus, Fixierung des katholischen und protestantischen Besitzes auf 40 Jahre vom Stand 1627, Verzicht auf Restitutionsedikt, paritätische Besetzung des Reichskammergerichts, der Kaiser behielt den Oberbefehl über die Reichsarmeen zum Kampf gegen die Schweden. Diesem Frieden schlossen sich fast alle Reichsstände an.
Nun griffen jedoch die Franzosen unter Kardinal Richelieu intensiv in den Krieg ein, nachdem sie zuvor die protestantische Seite zunächst nur diplomatisch und finanziell, zuletzt aber auch in geringerer Form militärisch unterstützt hatten. Die Auseinandersetzung war zu einem reinen Ringen um die politische Vormacht in Westeuropa zwischen Frankreich und den Habsburgern geworden: mit den Holländern auf der einen Seite im offenen Krieg gegen Spanien, während sich auf der anderen Seite der Krieg an der Seite der Schweden im verelendeten Deutschen Reich hinschleppte. Regional (Brandenburg, Kursachsen) wurden Waffenstillstände mit den Schweden geschlossen., bevor 1644/45 die Friedensverhandlungen in Osnabrück (Schweden) und Münster (Frankreich) begannen, die erst 24.10.1648 abgeschlossen wurden. Der Kampf gegen die Söldnerbanden sollte jedoch noch fast ein Jahrzehnt andauern.
Konfessionelle Regelungen auf Grundlage des Augsburger Religionsfrieden: Keine konfessionelle Partei durfte in Glaubensfragen eine andere überstimmen (Corpus Evangelicorum und Corpus Catholicorum können nur in Übereinstimmung einen verbindlichen Beschluß fassen); die Calvinisten wurden neben den Katholiken und Lutheranern als dritte Konfession anerkannt; das Jahr 1624 wurde als Normaljahr für den Besitzstand geistlicher Güter und die Konfessionszugehörigkeit festgelegt, bei einem Konfessionswechsel des Landesherrn mußten die Untertanen nicht mehr folgen. Garantiemächte des Friedens waren Schweden und Frankreich, damit begann die massive ausländische Einflußnahme auf das Deutsche Reich.
Die Verwüstungen differierten von Region zu Region ganz stark. Insgesamt muß man aber mit einem Rückgang der Bevölkerung von bis zu 50 % in ländlichen und bis zu 30 % in städtischen Gebieten ausgehen. Es fand eine starke soziale Umschichtung statt: Verringerung landwirtschaftlicher Anbauflächen und des Viehbestandes, Rückgang von Handel und Gewerbe, Besitzumschichtungen. Doch nicht nur die Schlachten brachten Greuel über das Deutsche Reich. Das Heerwesen hatte sich geändert, der „Krieg ernährte den Krieg“. Die Söldnertruppen holten sich ihren Lebensunterhalt und ihren Sold aus dem Land, egal ob es feindlich oder freundlich gesonnen war. Dabei wechselten die Berufssoldaten ihren Dienstherrn, sobald er mehr Sold bzw. höheren Beuteanteil versprach. Die Bevölkerung war der Willkür der Truppen ausgeliefert. Zudem gab es Hungersnöte, Seuchen und von 1634 bis 1640 wütete noch die Pest. Diese Jahre hatten geprägt, und man begab sich an die Ersetzung des Söldnerheeres durch ein stehendes Heer, das zusammen mit der staatlich gelenkten, merkantilistischen Wiederaufbauungspolitik zwei Grundpfeiler des kommenden Absolutismus stellten.