Das Königtum im Mittelalter

Jeder Führer des frühen Mittelalters stützte sich auf die Gefolgschaft der kämpfenden Männer in seiner Umgebung. Seine persönliche Autorität und seine kriegerische Kompetenz (virtus) bzw. die daraus resultierenden Überlebens- und Beuteaussichten seines Stammes) oder auch die Vergabe von Landbesitz (Lehenswesen) sicherten ihm die Treue der Mächtigen (Heer- oder Gefolgschaftskönigtum). Parallel zu diesen archaischen Machtprinzipien gab es Institutionen, die das reine Faustrecht verhinderten: einerseits die Wahl durch alle wehrfähigen Männer eines Stammes (in verschiedenen Formen), andererseits das Sakralkönigtum, bei dem das Geblütsheil (bei den Merowingern durch lange Haare symbolisiert) und in germanischer Zeit die göttliche Abstammung der königlichen Dynastie den Herrscher legitimierten. Die Karolinger wandelten das germanische Sakralkönigtum in das christliche Gottesgnadentum um. Die Akklamation durch das Volk war ein weiteres Element in der Herrschaftsfolge, das bereits an Wahlkönigtum erinnert. Trotz dieser regulativen Maßnahmen blieb die Gefolgschaft für Könige und Mächtige die wesentlichste Voraussetzung ihrer Herrschaft.