Das „weltweit führende Nahrungsmittelunternehmen“ stellt natürlich auch Müslis und Flocken her. Da ich kein beinharter Globalisierungskritiker bin, habe ich damit kein größeres Problem.
Nestlé ist außerdem „Cereal Partner“ der amerikanischen „General Mills“.
Ich bemühe mich, ruhig zu bleiben. Nestlé ist nur ein Unternehmen, das den Geschmack der Kundschaft bedient. Trotzdem ist es eine Unverschämtheit, sich als „Cereal Partner“ von General Mills zu bezeichnen, und dessen tolles Produkt dann nur in einer völlig überzuckerten Variante anzubieten!
Aber der Reihe nach. In der Schweiz ist vor Jahren ein Joint Venture von General Mills und Nestlé gegründet worden mit dem Ziel, amerikanische Cerealien in Europa zu vertreiben. Und was soll ich sagen: Der Markt für Cheerios war, laut Auskunft von Nestlé, zu klein. Es gibt leider in Kontinentaleuropa auch keine Restbestände mehr. Kann man sich das vorstellen? Ich habe angeboten, jeden Monat ein stattliches Kontingent abzunehmen, aber Nestlé war nicht interessiert.
Immerhin habe ich vor einigen Wochen in Köln einen English Shop entdeckt, der die britischen Cheerios führte. Ein widerliches Geschmackserlebnis. Das US-Pendant dieser Zuckerbomben sind die MultiGrain Cheerios von General Mills, die allerdings genauso süß sind. Eine schnelle Recherche ergab, dass die UK-Variante der klassischen Cheerios (von Nestlé intelligenterweise Cheerios Oats genannt) kein bisschen weniger süß ist. Da Nestlé immerhin auch das völlig zuckerfreie Shredded Wheat und die angemessen gesüßten Shreddies produziert, kann es kein Firmenprinzip sein, nur überzuckerte Cereals im Vereinigten Königreich anzubieten.
Nestlés Antwort auf Kellogg's Special K wird schon im Produktnamen als gesund/schlankmachend beworben. Besonders lustig ist, dass Nestlé den recht geringen Vollkornanteil (46%) auf der gesamten Packung sechsmal hervorhebt und im Rahmen der „Nestlé Cerealien Vollkorn-Garantie“ verspricht, sogar dass alle Frühstücksflocken des Unternehmens mindestens 30% Vollkorngetreide enthalten. Man fragt sich nur, welche Produkte anderer Hersteller diese sehr bescheidene Bedingung nicht erfüllen.
Immerhin liegt der Anteil an Vollkornweizen als auch der gesamte Getreideanteil höher als bei den Special K-Flocken, allerdings kommen beide Produkte auf einen Zuckeranteil von 17%. Hinzu kommt, dass Nestlé hemmungslos mit Zusatzstoffen arbeitet.
Geschmacklich bewegt sich „Fitness“ zwischen Special K und den (noch süßeren) Kellogg's Bran Flakes, deren Getreideanteil nur aus Vollkornweizen besteht.
Anders als die durchaus exportfähigen Shreddies ist Shredded Wheat wohl nur auf dem englischen Markt vermittelbar. Es handelt sich um gepresste Weizenfasern in Form von hohlen Briketts. Tatsächlich schmeckt das Zeug nach fast nichts – selbst Weetabix und Brinta wirken im Vergleich überzuckert.
Der zugehörige Slogan lautet Simple. Honest. Goodness..., und die Zutatenliste nennt als einzige Zutat British Whole Grain Wheat. Die Zielgruppe sind offensichtlich kulinarisch anspruchslose britische Patrioten und ich. Interessant wäre, wie viele britische Patrioten nicht zu dieser Zielgruppe gehören.
Update: Vor kurzem habe ich erfahren, dass Shredded Wheat von Nestlé für den britischen Markt lediglich lizenziert wurde, und dass das Ursprungrezept von einem amerikanischen Unternehmen stammt. Immerhin hat Nestlé in diesem Fall nicht versucht, das Ursprungsprodukt zu verbessern. Ich nehme jedenfalls meine spöttischen Anspielungen auf die eigenwillige Esskultur des Vereinigten Königreichs zurück.
Shreddies bestehen aus vier Lagen grepresstem Weizenmehl in Gitterstruktur.
Negativ fällt – neben dem hohen Zuckeranteil – die urkomische Behauptung auf, (that) Shreddies are knitted by nanas. Dieser lahme Witz wird gnadenlos totgeritten (These Shreddies were lovingly made by Ruth X – Eat up everyone – we'll knit more!). Der britische Humor ist auch nicht mehr das, was er mal war.