Die Spielberger Mühle verarbeitet wie der Konkurrent Seitenbacher regionales (baden-württembergisches) Getreide, setzt dabei aber konsequent auf Demeter-Qualität. Auch wenn ich die gestaltenden Kräfte des Kosmos
nicht so genau erschmecken kann – die Flocken sind erstklassig.
Anders als die schwer erhältlichen Bauckhof-Dinkelflakes dominiert Spielberger das Dinkel-Angebot jedes anständigen Bioladens. Nicht ganz zu Unrecht: Abgesehen vom fehlenden Rohrohrzucker stehen sie der perfekten Konkurrenz in nichts nach, zumal der verwendete Dinkel ebenfalls aus Demeter-Anbau stammt. Man könnte fast glauben, die Bauckhof-Flakes seien nichts anderes als nachgesüßte Spielberger-Flakes. Wenn man zu Verschwörungstheorien neigte.
Bei Getreideflocken ist Spielberger einfach unschlagbar. Die Kleinblatt-Dinkelflocken können sich erstaunlicherweise sogar mit den Zartblatt-Dinkelflocken des Bauckhofs messen. Selbst bei der Bereitung von Porridge – einer natürlichen Domäne von Zartblattflocken – müssen sich die Spielberger'schen Kleinblattflocken nicht verstecken: Das Kleinblatt-Porridge ist nur unwesentlich körniger und sehr lecker. Allerdings kann Dinkelporridge nicht mit einem klassischen Haferporridge mithalten.
Wie schon bei den Haferflocken haben die zarten Dinkelflocken einen geschmacklichen Vorteil gegenüber ihren kleinblättrigen Pendants (und sind 33% teurer). Anders als beim Hafer ist der geschmackliche Unterschied allerdings eher graduell – der Kleinblatt-Dinkel ist fast genauso lecker, und beide liegen etwa gleichauf mit den Bauckhof-Flocken.
Einkornflocken machen ihrem Status als Weizenurahnen alle Ehre und schmecken sehr weizenartig, sind dabei aber mit 7,56 EUR/kg erheblich teurer. Um diesen Aufschlag zu rechtfertigen, muss das Korn schon sehr viel gesünder sein als sein Enkelgetreide.
Die enorme Härte des im Mittelalter neben Gerste verbreitetsten Getreides (a.k.a. Zweikorn) lädt zum Kalauer (Harte Zeiten
) ein, obwohl sich der vom Emmer abstammende Hartweizen als Nudelbasis auch heute noch großer Beliebtheit erfreut. Jedenfalls sind Emmerflocken uneingeweicht dermaßen hart, dass sich ihr Eigengeschmack kaum wahrnehmen lässt. In Müslijoghurt eingeweicht bewegen sie sich geschmacklich ungefähr zwischen Dinkel und Weizen. Auch hier stellt sich die Frage: Lohnt der hohe Preis?
Diese Flocken sind von mildem Geschmack und eignen sich damit besonders gut zum Abtönen geschmacksintensiver Müslis. Dazu passt, dass Spielberger Gerstenflocken als Schonkost bei Magen-Darm-Erkrankungen
bewirbt. Offensichtlich haben Müller einen recht soliden Magen.
Der Spielberger-Hafer überzeugt durch einen charakteristischen und kräftigen Geschmack, der sich deutlich von den handelsüblichen Haferflocken absetzt. Die Kleinblatt-Variante ist relativ bissfest (und zur Porridge-Bereitung ungeeignet). Insofern ist der relativ hohe Aufpreis für die Zartblatt-Variante gerechtfertigt, was aber nicht als harsche Kritik gemeint sein soll.
Wer sich nicht zwischen Quaker Oats und Blütenzarten Köllnflocken entscheiden kann und außerdem Wert auf Demeter-Qualität legt, sollte einen Blick auf Spielbergers Zartblattflocken (a.k.a. quick cooking oatmeal) werfen. Zwar sind die doppelt / bzw. mit hohem Druck
gewalzten Flocken deutlich teurer als der Groß- und Kleinblatthafer desselben Herstellers, aber mit 5,30 EUR/kg immer noch viel billiger als N'Oats. Davon abgesehen ist das kräftige Aroma des Spielberger-Getreides unschlagbar.
Spielbergers Reisflocken verhalten sich mit ihrem kräftigen Geschmack zum Baby-Reisschleim ungefähr so wie Crispy Rice zu Rice Krispies. Da sie aus Naturreis hergestellt sind, müssen sie einige Minuten in heißer Milch eingeweicht werden, um eine milchbreiartige Konsistenz zu entwickeln (ansonsten schmecken sie sehr hart). Sehr lecker.
Spielbergers Roggenflocken sind nicht nur bissfest und kräftig im Geschmack, sondern sogar billiger als das übrige Flockensortiment. Außerdem passen sie perfekt in selbstgemachten Müslijoghurt, und lediglich als Müsliverdünner würde ich Flockenmischungen wie die kernigen Multikorn-Flocken oder Spielbergers 4-Korn- und 6-Korn-Varianten bevorzugen.
Die Sechskorn-Mischung schmeckt dank der Dinkelflocken etwas kräftiger (und weniger neutral) als die Vierkorn-Mischung, und die feine Reisnote ergänzt den getreidigen Geschmack sehr schön. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich wahrscheinlich die Sechskorn-Variante bevorzugen.
Im Vergleich zu den bekannten Urgetreiden Emmer und Einkorn gilt Kamut als eher exotisches Getreide mit ägyptischen Wurzeln. Die Flocken sind erstaunlich groß und – wie auch die Emmerflocken – sehr hart. Die Verwandtschaft zum Hartweizen kann der Kamut jedenfalls nicht verleugnen. Entsprechend eingeweicht, entwickelt Kamut tatsächlich den nussigen (und leicht süßlichen) Geschmack, der vielen Getreiden leichthin nachgesagt wird.
Diese Flocken sind vom Marketing mit einem bescheuerten Namen gestraft, halten aber tapfer mit feinem Aroma (laut Spielberger: würzig/nussig, laut eigenem Eindruck: wie die Dinkelflocken des Bauckhofs) und einer für Großblattflocken ungewöhnlich weichen, leicht mehligen Konsistenz dagegen. Als alte Getreidesorte wird der PurPur-Weizen unter der Rubrik Urgetreide
angeboten, ist aber deutlich günstiger als Emmer, Einkorn und Kamut.
Der Verweis der Packung auf das attraktive Äußere
des PurPur-Weizens (außen dunkel, innen weiß) stimmt mich ein wenig kulturpessimistisch – werden mittlerweile selbst Demeter-Getreideflocken nach ihrem Aussehen beurteilt?
Die Vierkornflocken sind eine ausgewogene Mischung. Sie stellen eine ideale Grundlage für Müslis, Bratlinge, Süßspeisen und Suppen.
Diesem Herstellerzitat kann ich nur zustimmen – der relativ neutrale Geschmack ist wie gemacht zur Abtönung kräftiger Müslis oder als Basis für die eigene Müslimischung.