Wie der Bauckhof präsentiert sich der Bio-Hersteller Allos als traditioneller Bauernhof. Ein besonderer Spleen scheinen exotische Getreide zu sein: Quinoa und vor allem Amaranth werden jedem zweiten Müsli oder Flockenprodukt beigemischt.
Diese Fixierung hängt offenbar damit zusammen, dass Firmengründer Walter Lang „Anfang der achtziger Jahre ... das 'Wunderkorn der Inkas' nach Deutschland“ brachte.
Zwischen dem Basis-Müsli und der Wildbeeren-Variante besteht ein seltsam gespaltenes Verhältnis: Ohne Haferflocken-Beimischung ist das Wildbeeren-Müsli viel zu süß, das Basis-Müsli dagegen ganz lecker. Mit Haferflocken-Beimischung ist das Wildbeeren-Müsli sehr lecker und lässt das Basis-Müsli langweilig erscheinen.
Um es kurz zu machen: Das Basis-Müsli ist nicht allzu süß, relativ leicht durch die verschiedenen Pops und natürlich voller Amaranth. Aber richtig spannend ist es nicht. Es fehlen einfach die Beeren und die Nüsse. Fairerweise sollte man hinzufügen, dass Allos die leckeren Sachen nicht vergessen hat:
„Das Allos Amaranth-Basis-Müsli mischen wir bewusst ohne Nüsse und Trockenfrüchte, damit jeder dieses hochwertige Produkt nach Belieben mit frischen Früchten, Joghurt oder Milch ergänzen kann.“ Klingt fair, zumal ich ja auch das Wildbeeren-Müsli mit Haferflocken strecken musste.
Allos scheitert grandios mit dem Versuch, seine Amaranth-Strategie auf das Crunchy-Segment auszudehnen. Die beeindruckende Zutatenliste (mit Kartoffelmehl, Zimt und Bourbon-Vanille) hinterlässt geschmacklich nur zwei Eindrücke: Sehr süß und zu stark geröstet. Auch eine Mischung mit Haferflocken kann hier nichts retten, obwohl die Mischung auch einige der köstlichen Amaranthflakes enthält.
Gleich zum Einstieg: Sehr lecker ist dieses Müsli nur in Verbindung mit Haferflocken, ansonsten ist es viel zu süß. Investiert man allerdings diese kleine Anpassung, ist das Ergebnis ganz großartig.
Anders als das herbe, zu stark gebackene Crunchy-Müsli von Allos schmeckt dieses Müsli ausgesprochen mild, und die Beeren setzen der harmonischen Kombination von Hafer, Amaranth, Honig und Nüssen echte Glanzlichter auf. Selbst das dezent zugesetzte Kakaopulver stört diesen Gesamteindruck nicht.
Das Schwesterprodukt der fabelhaften Quinoa-Flakes ist ziemlich enttäuschend. Trotz nahezu identischer Rezeptur (Maisanteil 75%, Bienenhonig, Maismalz und Meersalz als Geschmacksstoffe) und einem für Flakes durchschnittlichen Zuckergehalt von 7,6% schmecken die Amaranth-Flakes deutlich fader als normale Cornflakes (vom feinen Geschmack der Quinoa-Flakes ganz zu schweigen). Hinzu kommt der für Allos nicht unübliche, enorm hohe Preis, über den mich auch die vielen ernährungsphysiologischen Vorteile des Amaranth-Korns nicht hinwegtrösten können.
Allos hat ganz bewusst auf Trockenfrüchte und Nüsse verzichtet, da viele Personen, insbesondere Kinder, diese Zutaten nicht gerne essen. Trotz dieser Packungsaufschrift schmeckt das Müsli kein bisschen nach Holz. Die Allos-Version des zarten Hafer-Kilos – mit 7 EUR/Kilo ähnlich günstig wie das Bauckhof-Pendant – ist dank der Amaranthcrunchies (statt des üblichen Hafer-Crunchy), die wiederum Reiscrispies enthalten, sogar ausgesprochen lecker. Kreatives Frühstück heißt in diesem Fall: Dieses Müsli sollte mit weiteren Zutaten ergänzt werden. Das muss aber überhaupt nicht sein, denn das Müsli überzeugt auch pur und ist mit 5% Zucker erstaunlich unsüß für ein an Kinder gerichtetes Produkt.
Nach dem Originalrezept von Hildegard von Bingen („Dinkel-Habermus“) hat Allos ein sehr feines Müsli gemischt, das durch äußerst exotische Zutaten besticht. Welcher andere Hersteller verwendet Bertram und Galgant oder gar Flohsamen? Jedenfalls schmeckt das Müsli nicht nur außergewöhnlich, sondern auch außergewöhnlich gut.
Der Hauptbestandteil Dinkel harmoniert wunderbar mit dem bei Allos unvermeidlichen Amaranth, und die schön sauren Kirschen überspielen die altbekannten Rosinen.
Auf den ersten Blick ist die Bezeichnung Quinoa-Flakes angesichts des Maisanteils von knapp 75% ein gewisser Etikettenschwindel, und der Zuckeranteil ist mit 12,4% recht hoch. Aber der einzigartige Geschmack tröstet über alles hinweg – das Quinoa-Getreide fügt dem Mais ungeahnte Geschmacksnuancen hinzu. Im Vergleich mit den noch leckereren Heritage-Flakes hatten sie bis vor einiger Zeit den zusätzlichen Vorteil, in Deutschland erhältlich zu sein. Zu meinem großen Bedauern hat die Firma Allos das Produkt aufgrund sehr geringer Nachfrage ausgelistet, während die äußerst mittelmäßigen Amaranth-Flakes weiterhin angeboten werden.
Dieses Müsli wurde unglücklicherweise am Markt lanciert, kurz nachdem einige Menschen wegen des Verzehrs verunreinigter Sprossen gestorben waren. Einige Monate später habe ich mir ein Herz gefasst und eine ganze Packung verspachtelt. Es geht mir gut.
Trotz der fehlenden Gewürze und des Sprossenanteils erinnert der Geschmack leicht an das fabelhafte Hildegardsmüsli: Die Sprossen scheinen höchstens beim Kauerlebnis dann und wann durch, und das Mischungsverhältnis von Haferflocken/Amaranth/Rosinen scheint identisch zu sein. Lecker, aber unspektakulär.