6.2 Friedrich II. letzter Aufenthalt in Deutschland 1235 bis 1237

Heinrich (VII.) versuchte, den Deutschlandzug seines Vaters zu verhindern, scheiterte aber. Friedrich II. erschien im Mai 1235 in Süddeutschland mit einem orientalischen Hofstaat aus Äthiopiern und Sarazenen und führte Leoparden, Affen und Papageien mit. Dieser Auftritt erschreckte viele Aufständische so sher, daß der Widerstand zusammenbrach. Der König konnte keinen Widerstand mehr leisten und bot durch Hermann von Salza seine Unterwerfung an, bat um Gnade, wurde aber am 2. Juli 1235 gefangengenommen. Zwei Tage später erfolgte der Schuldspruch in Worms: Heinrich (VII.) sollte alle Güter und Ämter verlieren und zur Kerkerhaft nach Apulien geschickt werden. Nach sieben Jahren Haft stürzte er am 10. Februar 1242 von einem Abhang. Mit ihm endete auch die staufische Dynastie in Deutschland. Der Kaiser heiratete am 15. Juli 1235 in Worms auf Betreiben des Papstes Isabelle, die Schwester des englischen Königs, die ihn in Köln erwartet hatte. Nach der Zeremonie wurde die Braut an sarazenische Eunuchen übergeben und verschwand im Harem.

In Mainz hielt Friedrich II. am 15. August 1235 einen wichtigen Reichstag, auf dem drei Maßnahmen beschlossen wurden:

  1. ein Landfrieden (29 Kapitel), der in der Tradition alter Landfriedensgesetze stand: Verbot der Fehde, Gerichts-, Münz- und Zollrecht; Einsetzung eines Reichshofrichters nach sizilianischem Vorbild zur Bündelung der verbliebenen Reichsrechte. Hiermit wurde erstmals ein offizielles Reichsgesetz in deutscher Sprache veröffentlicht (die erste deutsche Königsurkunde stammt von 1240, Konrad IV.).
  2. die Aussöhnung mit den Welfen: Otto von Lüneburg, Enkel Heinrich des Löwen, erhielt sein Eigengebiet, vermehrt um Braunschweig, als Herzogtum und wurde damit Reichsfürst.
  3. ein fürstlicher Beschluß gegen die Lombardenstädte: Unterwerfung bis Ende 1235, sonst eine Heerfahrt im Frühjahr 1236

Dieser Beschluß wurde dem Papst übermittelt, der nach seiner Unterstützung Friedrich II. gegen den mit der lombardischen Liga verbündeten Heinrich (VII.) in Italien isoliert war und sich deshalb gegen den Beschluß wandte. Plötzlich forderte er wieder einen Kreuzzug und die Rückkehr Friedrich II. nach Sizilien und behauptete, die Städte würden sich freiwillig unterwerfen. Der Kaiser achtete nicht auf die Äußerungen des Papstes und wartete ab, bis die Städte den gesetzten Zeitraum hatten verstreichen lassen. Vor dem Aufbruch nach Oberitalien nahm er an der Umbettung der Gebeine der kürzlich heilig gesprochenen Elisabeth von Thüringen teil und ging in der Prozession in grauer Kutte hinter dem Schrein. Diese Demonstration einer Zisterzienser-Frömmigkeit gegen die verweltlichte Kirche stellte den religiösen Höhepunkt seines Deutschlandaufenthaltes dar.

Als sich das kaiserliche Heer zum Aufbruch rüstete, kam es zu Konflikten im Südosten des Reiches: Friedrich der Streitbare, der Sohn Leopolds von Österreich, versuchte, sein Gebiet auf Kosten Böhmens und Ungarns zu erweitern, während dem Kaiser an Stabilität gerade in diesem Reichsteil momentan besonders gelegen war. Obwohl Friedrich II. eine ablehnende Haltung zeigte, begann der Babenberger Friedrich auf eigene Faust einen Krieg, in dem er allerdings keinen Erfolg hatte, und stand schließlich isoliert da. Er wurde dreimal zum Reichstag vorgeladen und am 1. Juni 1236 in Augsburg mit der Reichsacht belegt, verlor also seine Ämter und Güter. Mit der kriegerischen Vollstreckung der Acht beauftragte Friedrich II. den König von Böhmen, den Herzog von Bayern und einige geistliche Fürsten.

Weil diese Truppen nun für längere Zeit im Reich gebunden waren, fehlten sie beim lombardischen Feldzug, so daß der Kaiser keine ernsthafte Aktion gegen die Städte durchführen konnte und nach Deutschland zurückkehrte. Im Januar 1237 setzte er Friedrich den Streitbaren in Wien offiziell ab, trennte Österreich und die Steiermark und bestimmte für beide Gebiete einen kaiserlichen Prokurator. Wien erhielt für seine Loyalität den Status einer freien Reichsstadt. Einen Monat später wurde der Kaisersohn Konrad IV. (mit neun Jahren) zum römischen König und Nachfolger seines Vaters in der Kaiserwürde gewählt, mit dem Zusatz, daß er nicht vor dem Tod Friedrich II. gekrönt werden dürfe. Dem Reichsverweser und Erzbischof von Mainz (später der Markgraf von Thüringen) wurde keine eigenständige Herrschaft zugesprochen, sondern nur die Vertretung des Kaisers.

Im April 1237 begannen neue Rüstungen gegen die Lombardei, im August brach man schließlich auf, obwohl die österreichischen Probleme nicht gelöst waren: Friedrich der Streitbare war nicht völlig niedergerungen worden, erholte sich in Abwesenheit des Staufers und paktierte mit seinen Nachbarn, so daß er 1239 seine Wiederanerkennung als Herzog durchsetzen konnte. Erst nach seinem Tod 1246 zog Friedrich II. das Herzogtum ein und verwirklichte seine Pläne, 1251 ging Österreich den Staufern mit dem Tod Friedrichs, des Sohnes Heinrich (VII.), endgültig verloren.