Nach der Niederlage des Antonius bei Actium hatte Octavian sein Ziel erreicht: er war der unbestritten mächtigste Mann im römischen Reich. Wie kam es zu diesem Sieg? Bis zum Schluß war Antonius hatte Antonius die größere Macht und in seinem Herrschaftsbereich die gefestigtere Position gehabt. Seine Stellung war allerdings durch den verlorenen Feldzug gegen die Parther und die gleichzeitigen Siege Octavians gegen Sextus Pompeius (Herbst 36) sowie durch den Tod seines Statthalters Callenus in Gallien und damit den Verlust seiner Machtbasis im Westen (40) geschwächt.
Trotz der größeren politischen Klugheit und Skrupellosigkeit Octavians, trotz seiner zahllosen politischen Fehler, lagen die militärischen Vorteile bei Antonius. Über die Gründe für die Niederlage kann man nur mutmaßen: die Quellen über jene Zeit sind während des Prinzipats im Sinne des Augustus verfaßt worden. Wahrscheinlich war es eine Mischung aus Schicksal und dem Feldherrentalent des Agrippa.
Ein Sieg des Antonius bei Actium hätte wahrscheinlich zu einer tiefen Spaltung des römischen Reiches geführt: durch eine Heirat mit Kleopatra und die Fortführung des hellenistischen Lebensstils und der dynastischen Politik hätte Antonius tiefes Mißtrauen bei der römischen Bevölkerung geweckt. Für Rom war die Alleinherrschaft Octavians günstiger.
Antonius war ein guter Soldat und Feldherr gewesen, dem allerdings jegliches politisches Talent fehlte. Zwar war er mutig und diplomatisch wie organisatorisch begabt (wie seine Neuordnung des Ostens zeigte), aber er hatte kein Gespür für die Stimmung des Volkes und seine Beeinflussung. Trotzdem war er für den Senat bis zum Schluß sympathischer als der unverhohlen machtgierige Octavian. Dessen Ehrgeiz und sein prunkvolles Auftreten brachte ihn um manche Sympathien bei den einflußreichen Konservativen Roms.
Der Caesarerbe hatte zwar kaum militärisches Talent, war aber auf politischem Gebiet sehr geschickt und innovativ, er ging über die traditionellen Methoden der Beeinflussung weit hinaus. Wie auch Antonius war er mutig und risikobereit, um seine Ziele zu erreichen war ihm jedes Mitel recht. Anders als Antonius gelang es ihm, die richtigen Leute um sich zu scharen. Seine Ausgangslage als Caesars Erbe war politisch günstig und die Herrschaft im Westen hatte moralisch einen höheren Stellenwert.
Nach Antonius’ Tod war die erste Phase der Umwandlung der Republik zum Prinzipat beendet. Offiziell war Octavian lediglich Konsul, seine Konkurrenten waren zwar ausgeschaltet, aber die Alleinherrschaft noch keineswegs gesichert. Die Ordnung im Osten durch Antonius erwies sich als so weitsichtig, daß Octavian sie übernahm (mit Ausnahme Ägyptens, das er in eine ritterliche Provinz umwandelte; der Schatz der Ptolemäer ging an Octavian und bildete die Grundlage für seine weiteren Maßnahmen). Die Partherfrage war noch offen, weil auch Octavian die Rückeroberung der Feldzeichen zu einer nationalen Sache erklärt hatte. Wegen innerer Unruhen im Partherreich war allerdings im Moment kein Angriff zu erwarten, und Rom war nicht stark genung für einen weiteren Feldzug. Das nach Italien zurückgekehrte Heer forderte Versorgung mit Land und Octavian mußte persönlich erscheinen (Winter 31), um es zu beruhigen. Eine angebliche Verschwörung des Marcus Aemilius Lepidus (der Sohn des ehemaligen Triumvirn) endete mit dessen Hinrichtung. Diese Vorgänge waren Ausdruck der instabilen Lage und der Bereitschaft Octavians, Gewalt einzusetzen. Bei seinem dreifachen Triumphzug (für die Siege in Illyrien, bei Actium und in Ägyten) im August 29 war sein Neffe Marcellus an prominenter Stelle vertreten, was einen Widerspruch zu seiner bisherigen Ablehnung jeglicher dynastischer Politik stand.
In den Jahren 30 und 29 faßte der Senat eine Reihe von ehrenden Beschlüssen (den Titel Imperator, richterliche Gewalt im gesamten Reich, Schließung des Janus-Tempels, Recht zur Ernennung von Priestern und Patriziern). Die Propaganda gegen Antonius lief weiter und trug ebenfalls zur Verklärung des Siegers bei. Octavian verbrämte seine Macht religiös und ließ seinen Geburtstag zum Feiertag erklären. Auch im Osten wurde ihm nun der Treueschwur geleistet.
Trotz dieser Ehren war seine rechtliche Stellung weiterhin fragwürdig, obwohl Octavians Macht von niemandem angezweifelt wurde. Durch eine Neuorganisation des Senats (Aufnahme neuer Mitglieder, Ausschluß von Gegnern), einen Zensus (Steuerschätzung und Volkszählung) in Zusammenhang mit der massenhaften Verleihung des Bürgerrechts sowie durch rege Bautätigkeit und Spiele in Rom und die Ansiedlung der Veteranen im Jahr 28 sicherte er sich die Unterstützung des größten Teils der Bevölkerung. Die Maßnahmen finanzierte er mit dem ägyptischen Gold.
Eine monarchische Staatsform blieb trotzdem der Alptraum der herrschenden Klasse. Auch Sulla, Pompeius und Caesar hatten die republikanischen Strukturen und Ideale nicht völlig zerschlagen können. Caesars Ermordung war hauptsächlich durch seine Ignoranz gegenüber dieser zutiefst konservativen Haltung verursacht worden. Die Erwartung der politischen Führungsschichten mußte also befriedigt werden.
Außerdem hatte Octavian während des Bürgerkriegs mehrfach die Wiederherstellung der Republik versprochen. Der Zweck der meisten Beschlüsse in den Jahren 29 bis 27 war deshalb auch die Verankerung der eigenen Stellung ohne Berührung der Republik. Octavian erklärte sogar einen Teil seiner Edikte für ungesetzlich, um seinen Willen, zur libertas zurückzukehren, zu bekräftigen und seine Vergangenheit zu läutern. Am 13. Januar 27 v. Chr. gab er alle Macht offiziell an das Volk und den Senat zurück, nachdem er seine Stellung genügend abgesichert hatte. Dieses scheinbare Paradox, die Rückkehr zur Republik und die gleichzeitige Überhöhung der eigenen Person mündete schließlich in der Staatsform des Prinzipats.
Für seinen freiwilligen Machtverzicht erhielt Octavian bis zum 16. Januar eine Reihe von unbefriedeten Provinzen (Hispania, Gallia, Syria, Aegyptus, Cyprus) für einen Zeitraum von zehn Jahren, um dort die Ordnung wiederherzustellen (imperium proconsulare). Nahezu das gesamte römische Heer befand sich damit in Octavians Machtbereich. Trotz dieser unglaublichen Machtfülle bewegte sich Augustus’ Stellung auf dem Boden der Verfassung: der Senat hätte auch einem anderen Senator ein solches Kommando übergeben können, ohne die Republik anzugreifen.
Zusätzlich beschloß der Senat - beeindruckt durch die scheinbare Selbstlosigkeit Octavians und wahrscheinlich auch durch seine Propaganda - weitere Ehrungen mit hohem Symbolcharakter:
Aus heutiger Sicht wirken diese Ehrungen übertrieben, aber für die Zeitgenossen war die starke Symbolik sehr wichtig. Nicht nur große Taten, sondern auch die entsprechenden Ehrungen brachten Ansehen und Einfluß. Allerdings forderten die Auszeichnungen auch entsprechendes Verhalten, so daß Augustus von nun an noch schärfer als vorher beobachtet wurde. Obwohl Augustus nun neben dignitas (Würde) auch auctoritas (Autorität) besaß, war seine potestas (Amtsgewalt) mit einigen Ausnahmen die eines Konsuls. Seine Macht beruhte also nicht auf staatsrechtlicher Gewalt, sondern auf seiner persönlichen Autorität, die in der römischen Gesellschaft eine wichtige Rolle spielte.
Im Bewußtsein der Zeitgenossen war mit dem 13. Januar 27 v. Chr. die Republik wiederhergestellt, obwohl Cicero und Cato diese Maßnahmen als Hohn empfunden hätten. Allerdings muß man in Betracht ziehen, daß auch die überzeugten Republikaner im Senat nicht mehr an eine vollständige Rückkehr zur alten Ordnung glaubten. Die Tatsache, daß der Senat die Macht an Augustus für eine begrenzte Zeit vergab, statt ihn wie Caesar zum Diktator auf Lebenszeit zu ernennen, mußte geradezu bescheiden wirken. Die anfängliche Doppelgesichtigkeit der neuen Ordnung wandelte sich im Verlauf des Prinzipats mehr und mehr zu einer offensichtlichen Monarchie.