5.4 Die politische Entwicklung seit 1948

Mit der Gründung der britisch-amerikanischen Bizone im Januar 1947, dem Anlaufen des Marshallplans im Sommer 1947 und der letzten Außenministerkonferenz der vier Siegermächte Ende 1947 war die Gefahr einer dauerhaften deutschen Teilung immer deutlicher geworden. Die Londoner Konferenzen der Westmächte endeten mit dem Beschluß einer Währunsgreform in den Westzonen, worauf die UDSSR mit der Blockade Berlins reagierte. Daraufhin beschlossen die Westalliierten in den Frankfurter Dokumenten im Juni/Juli 1948 die Gründung eines gemeinsamen Weststaates. Die politische Entwicklung lief demnach gegen die Idee einer Wiedervereinigung, die auch Kurt Schumacher energisch vertrat. Allerdings glaubte auch er an die „Magnettheorie“, nach der ein wirtschaftlich und militärisch starker Westen den Osten vom demokratischen Weg überzeugen könne. Deshalb gab es in der SPD auch keine grundsätzliche Opposition gegen den Weststaat, wenn auch die Bundesrepublik regelmäßig als Provisorium bezeichnet wurde. Auch in den Begriffen schlug sich diese Haltung nieder: Nicht eine Nationalversammlung tagte, sondern ein Parlamentarischer Rat, keine Verfassung wurde beschlossen, sondern ein Grundgesetz, die SPD residierte nicht in einer Zentrale, sondern in Baracken in Bonn. Erst zum Schluß der Verhandlungen machte Schumacher seinen Einfluß geltend, um bestimmte Inhalte im Grundgesetz zu verankern.

Bei der folgenden ersten Bundestagswahl siegte die CDU/CSU knapp mit 31,0% vor der SPD mit 29,2%. Für die siegessicheren Sozialdemokraten war dieses Ergebnis trotz der ernüchternden vorangehenden Wahlen ein erneuter Schock. Während sie politisch gelähmt waren, handelte Adenauer: Er setzte Theodor Heuss (FDP) als Bundespräsidenten durch, erreichte die Entscheidung für Bonn als Bundeshauptstadt und bildete eine bürgerliche Regierungskoalition mit sich selbst als Kanzler. Im Namen der hilflosen SPD hielt Schumacher dem Kanzler nach dessen Regierungserklärung vor, die Bundesrepublik drohe ein autoritärer Besitzverteidigungsstaat zu werden. Ebenso wie Fritz Erler wollte er mit der Sozialdemokratie gegen den Strom schwimmen und nicht – wie in Weimar – sich in nutzloser Toleranz üben.