5.2 Die ersten Nachkriegswahlen

Der Aufbau der Partei war im Mai 1946 so gut wie abgeschlossen, gegen Ende des Jahres wurde der Stand von 1932 noch weit übertroffen (711.400 Mitglieder) und in den von den Alliierten eingesetzten kommunalen und zonalen Allparteienregierungen war die SPD überall präsent. Deshalb ging die SPD den ersten freien Wahlen zuversichtlich entgegen und wurde durch mehrere Niederlagen hart getroffen. Bei den Kommunal- und Kreistagswahlen im Herbst 1946 siegte die CDU/CSU teilweise mit großen Abstand (die einzige Ausnahme war West-Berlin):

Kommunalwahlen Kreistagswahlen
SPD CDU SPD CDU
britische Zone 24% 28% 35% 46%
US-Zone 17% 35% 27% 62%
französische Zone 12% 46% 24% 61%
West-Berlin 48% 22%

Die Bevölkerung hatte das eindeutige Signal gegeben, daß der propagierte Alleinvertretungsanspruch ungerechtfertigt war. Der große Anspruch eines kraftvollen Neuanfangs entsprach nicht der Realität, viele Sozialdemokraten reagierten mit Resignation, einige – wie Schumacher – mit einem trotzigen „Jetzt erst recht!“. Der Versuch einer stärkeren Akzentuierung der sozialistischen Position führte zu einer strikt oppositionellen Hatung der SPD, in Abgrenzung von ihrer Tolerierungspolitik in Weimar. Eine Entschließung des SPD-Vorstands in Köln im September 1946, einen Monat nach den katastrophalen Wahlen, trug den Titel „Umkehr oder Untergang“. Das deutsche Volk wurde aufgerufen, sich für einen sozialistischen und demokratischen Neuaufbau und gegen einen weiteren kapitalistischen Irrweg zu entscheiden.