5.2 Die Berlinkrise

Nachdem die Sowjetunion ihr nukleares Potential voll ausgebaut hatte, wollte sie eine Lösung der Berlinfrage erzwingen. Nikita Chruschtschow forderte die Westalliierten am 10. November 1958 auf, ihre Besatzungen aus West-Berlin zu entfernen und der Stadt den Status einer selbständigen politischen Einheit zu geben. Am 27. November folgte die Aufkündigung des Viermächte-Status und ein Ultimatum mit der Drohung, Berlin abzuriegeln. Kurz darauf schlug Chruschtschow der Bundesrepublik eine Konferenz mit dem Ziel eines Friedensvertrages zwischen den Alliierten, der BRD und der DDR vor. Die Bundesregierung lehnte ab, sah sich aber mit der Forderung ihrer Verbündeten nach einem Deutschlandplan konfrontiert. Die Westmächte wollten auf der Genfer Außenministerkonferenz (11. Mai – 20. Juni 1959) die Wiedervereinigung und die Berlinfrage mit einem europäischen Sicherheitssystem verknüpfen. Während der Konferenz starb am 24. Mai der US-Außenminister Dulles, Adenauer befürchtete daraufhin Zugeständnisse der USA an die sowjetische Seite und schlug einen Stufenplan zur Wiedervereinigung vor. Die UDSSR beharrte auf einem Friedensvertrag mit beiden deutschen Staaten, die Konferenz scheiterte.

Auf eine erneute Drohung Chruschtschows am 4. Juni 1961 reagierte der neue US-Präsident Kennedy mit der Formulierung dreier Grundsätze („essentials“): Präsenz amerikanischer Truppen in der Stadt, freier Zugang von der Bundesrepublik nach Berlin und Sicherung der Lebensfähigkeit der Stadt. Obwohl diese Haltung unnachgiebig erschien, wurde damit gleichzeitig die Vision der Wiedervereinigung zugunsten von Minimalpositionen aufgegeben. Es folgte am 13. August 1961 der Mauerbau in Berlin, die Krise endete erst mit der Beilegung der Kuba-Krise um die Stationierung sowjetischer Raketen auf der mittelamerikanischen Insel.