Nach dem Sieg der Alliierten über die deutsche Wehrmacht stellte sich für die überlebenden Sozialdemokraten die Frage nach der Art des Neubeginns: Sollte sich die SPD wieder- oder neubegründen? Hans Vogel verschickte schon am 16. März 1945 einen entsprechenden Brief an die Mitglieder des Exilvorstands. Die meisten lehnten eine Kontinuität ab, weil sie ihre eigene Legitimität bezweifelten und das Ende der Weimarer Republik als Symbol für ein Versagen der SPD betrachteten. Viele hofften auf eine „andere“ sozialistische Partei, als Vorbild galt ihnen die erfolgreiche Neugründung des bürgerlichen Lagers, die CDU. Deshalb wurde 1945 die faktische Kontinuität der SPD im Exil nicht zur Geltung gebracht. Stattdessen waren die antifaschistischen Ortsausschüsse in allen Besatzungszonen das wichtigste Betätigungsfeld für alte Sozialdemokraten. Das Denken ging in Richtung einer sozialistischen Einheitspartei. Nach dem 8. Mai 1945, als die Alliierten die politische Souveränität übernommen und das Ende des Deutschen Reiches als Staat besiegelt hatten, gab es grundsätzlich drei Zentren der Sozialdemokratie: den immer noch bestehenden Exilvorstand, der sich in London abwartend verhielt, das Büro Kurt Schumachers in Hannover und den Berliner Zentralausschuß mit Otto Grotewohl an der Spitze, dem schon im Juni 1945 die Wiederbegründung der SPD erlaubt wurde (die Sowjets förderten, im Gegensatz zu den Westmächten, die Gründung von Parteien). Die Folge war eine uneinheitliche Artikulation der SPD.
Neben den Diskussionen um die Identität der Sozialdemokratie gab es auch die Bereitschaft zur Überwindung des alten SPD-KPD-Konflikts; die KPD selbst knüpfte an die Volksfront-Politik der 30er Jahre an und stellte die kommunistische Ideologie zurück. Als Ziel galt zunächst nicht die Vereinigung beider Parteien, sondern gemeinsame Wahlsiege. Nachdem die Kommunisten allerdings in den ersten Wahlen im sowjetisch besetzten Teil Europas erfolglos geblieben waren, steuerte Moskau um und forcierte vor allem in Deutschland eine Vereinigung von SPD und KPD. Ab dem September 1945 gab es Zusammenkünfte der Kommunisten mit dem sozialdemokratischen Zentralausschuß. Ein Treffen Grotewohls mit Schumacher im Februar 1946 blieb allerdings erfolglos, da die SPD in der SBZ immer mehr unter dem offenen Druck der sowjetischen Militäradministration stand und Schumacher sich vom sowjetischen Weg abgrenzte. Die Gründung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) durch die Parteivorsitzenden Pieck (KPD) und Grotewohl (SPD) nahm die politische Spaltung Deutschlands schließlich vorweg, obwohl CDU und FDP noch gesamtdeutsche Parteien waren. Im Westen scheiterte das Projekt einer sozialistischen Einheitspartei, die SPD wurde die Konkurrenz durch die KPD erst in den 50er Jahren los. Dagegen setzte sich (anders als von den Briten gewünscht) eine Einheitsgewerkschaft durch, in der es eine starke Konkurrenz zwischen kommunistischen und sozialdemokratischen Funktionären gab.
Schumachers innerparteiliches Konzept sah vor, die Spaltung der Arbeiterbewegung ohne eine Fusion (wie im Osten) zu überwinden und eine neue linke politische Plattform zu bilden. Schon im Mai 1945 bemühte er sich um eine prowestliche Position. Zwar definierte er Gesellschaften nach wie vor über Klassengegensätze, gleichzeitig sah er aber in der Nivellierung der Besitzverhältnisse durch das nationalsozialistische Regime und den Krieg ganz undogmatisch eine politische Chance: Die neue Klasse der Deposivierten und Verarmten stellte ein gewaltiges Wählerreservoir für die neue SPD als „große Partei aller Schaffenden“ dar. Man präsentierte das Programm eines demokratischen Sozialismus, der zwar auch national gestimmt war, sich aber scharf von jedem Nationalismus abgrenzte. Schumacher mahnte (wie auch Adenauer) die Suche nach einem europäischen Weg Deutschlands an. Die Öffnung der Partei für die Mittelschichten war demnach eine bewußte Formation als Sammelpartei. Obwohl die SPD unter Schumacher auch schon vor Godesberg keine dogmatische Positionsfestlegung betrieb und dadurch für die Klientel der früheren linksdemokratischen bürgerlichen Parteien wählbar wurde, verkörperte sie als einzige politische Gruppierung die Tradition der ersten deutschen Republik. Daraus leitete sie einen gewissen demokratischen Alleinvertretungsanspruch und ein starkes Selbstvertrauen ab. Gleichzeitig befand sie sich in mehreren Frontstellungen: am linken Rand zur KPD (und Stalins UDSSR), nach rechts zu den Besitzenden und ihren Parteien (CDU/CSU) und zusätzlich in existentiellen Fragen zu den Besatzungsmächten.
Am 22. März 1933 hatte sich der SPD-Fraktionsvorsitzende im Reichstag, Otto Wels, vor der Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz zur Weimarer Reichsverfassung bekannt und damit das demokratisch-republikanische Görlitzer Parteiprogramm von 1921 bekräftigt. Allerdings hatte das Rückströmen von USPD-Mitgliedern auf dem Heidelberger Parteitag 1925 eine Rückwendung zum Marxismus gebracht, an den das Prager Manifest des Exilvorstands 1934 anknüpfte. Auch das Manifest Carolo Mierendorfs vom Pfingstmontag 1943 rief zu einer sozialistischen Aktion gegen das Hitler-Regime durch christliche, sozialistische, kommunistische und liberale Kräfte auf und bezeichnete das arbeitende Volk als Grundelement der sozialistischen Ordnung. Nach 1945 wurde in Köln ein Programmentwurf erarbeitet („Unser Ziel heißt Revolution, nicht Restauration“), der die Idee einer sozialen Demokratie nach innen und einer europäischen Föderation nach außen vertrat. Bei den von den Alliierten in den Frankfurter Beschlüssen geforderten Beratungen über das Grundgesetz eines demokratischen und föderalen Weststaates aus den drei westlichen Besatzungszonen, der späteren Bundesrepublik Deutschland, beteiligte sich die Sozialdemokratie aktiv. Carlo Schmid (SPD) übernahm den Vorsitz des Hauptausschusses im Parlamentarischen Rat. Der Rat griff nicht, was naheliegend gewesen wäre, auf die Weimarer Verfassung zurück, stattdessen wurde ein vollständig neues „Grundgesetz“ formuliert. Trotz ihrer Mitarbeit am Aufbau eines neuen demokratischen Staatswesens betonte die SPD ausdrücklich den provisorischen Charakter des Grundgesetzes. Entsprechend wenig engagiert zeigte sie sich bei der Festlegung ihrer Ziele im Gesestzestext: Im fertigen Entwurf fehlten Garantien für soziale Grundrechte wie Arbeit und Wohnung. Von der SPD initiiert wurde dagegen die starke Position des Bundeskanzlers (man erwartete einen Wahlsieg bei den ersten Bundestagswahlen). Kurt Schumacher, der während der Beratungen wegen Krankheit gefehlt hatte, formulierte nachträglich sechs Bedingungen für die Zustimmung der SPD zum Grundgesetz, darunter die Betonung der Einheit trotz des föderalen Prinzips und die Prävalenz der Bundesregierung in der Finanzpolitik, und setzte diese Grundsätze auch gegenüber den Alliierten durch.