Die Wahl zum ersten Bundestag am 14. August 1949 brachte folgendes Ergebnis:
| Zweitstimmenanteil (in %) | Sitze im Bundestag | |
|---|---|---|
| CDU/CSU | 31,0 | 139 |
| SPD | 29,2 | 131 |
| FDP | 11,7 | 52 |
| KPD | 5,7 | 15 |
| BP | 4,2 | 17 |
| DP | 4,0 | 17 |
| Zentrum | 3,1 | 10 |
| WAV | 2,9 | 12 |
| DreP | 1,8 | 5 |
| Sonstige | 6,2 | 4 |
Im September fiel die Entscheidung gegen die Koalitionsvarianten Bürgerblock, Minderheitsregierung, Große Koalition und Allparteienregierung für eine „kleine“ Koalition aus CDU/CSU, FDP und DP. Die SPD, vor der Wahl noch Favoritin, ging für 17 Jahre in die Opposition. Während im Wahlkampf von 1949 eine große Koalition von beiden Seiten kategorisch ausgeschlossen wurde, gab es nach der Wahl durchaus einige Stimmen, die angesichts der anstehenden Probleme für eine Zusammenarbeit von Union und SPD plädierten. Diese Möglichkeit wurde durch die Parteivorsitzenden verhindert: Schumacher erklärte noch in der Wahlnacht, das Ergebnis spreche für eine bürgerliche Koalition, Adenauer verabredete mit dem bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef Ehard am 20. August in Frankfurt – einen Tag vor dem Rhöndorfer Treffen der Unionsspitzen – bereits Koalitionsaussage und Ämterbesetzung, so daß er bei der eigentlichen Besprechung auf die Unterstützung der CSU verweisen konnte. Dagegen plädierten in der SPD Carlo Schmid und Fritz Heine aus dem Vorstand sowie die Ministerpräsidenten Kopf und Stock für eine Zusammenarbeit, in der CDU sprach sich unter anderen der Landesvorsitzende Müller für die große Koalition unter dem NRW-Ministerpräsidenten Karl Arnold (der am 7. September zum Bundesratspräsidenten gewählt wurde) aus – ohne an die bereits gefällten Entscheidungen beeinflussen zu könne. Die CDU/CSU-Fraktion mußte bei ihrer konstituierenden Sitzung am 1. September Adenauers Vorschlag abnicken. Im am 20. September vereidigten ersten Kabinett Adenauer stellten die kleinen Parteien (CSU, FDP und DP) zusammen acht der 13 Minister.
Diese Konstellation – eine stabile Regierung mit einer starken Opposition – war die optimale Voraussetzung für die Entwicklung einer parlamentarischen Demokratie: Eine Polarisierung war vorgegeben und die Parteien mußten ihr politisches Profil schärfen. Andererseits begünstigte die unflexible Grundsatzpposition der SPD unter Schumacher die die Entstehung der „Kanzlerdemokratie“ Adenauers in den 50er Jahren. Der permanente Druck zwang den Kanzler geradezu zur Geschlossenheit in Regierung und Partei, was seinen im Kaiserreich geprägten politischen Vorstellungen allerdings auch entgegenkam. Die im Grundgesetz vorgesehenen Kompetenzen des Kanzlers (vgl. „Die Entstehung der Verfassungen“) nutzte Adenauer voll aus, der Verfassungsrechtler Karl Loewenstein bezeichnete seinen Stil deshalb als „demiautoritär“. Tatsächlich betrachtete der erste Kanzler seine Minister hauptsächlich als Gehilfen und bestimmte nach eigener Aussage nicht nur die Richtlinien der Politik, sondern auch den Umfang der Richtlinien bis in die einzelnen Ressorts hinein. Auch die Einschränkung der Souveränität durch die Alliierten verlieh Adenauer als inoffiziellem Außenminister (ab 1955 auch offiziell) und Quasi-Verteidigungsminister eine gewaltige Machtfülle. Gespräche mit den Militärgouverneuren pflegte er allein zu führen, um auch im Kabinett einen Wissensvorsprung zu haben. Er wünschte keine Mitbestimmung, sondern nur Zustimmung, die er durch die Isolation kritischer Minister im Kabinett erreichte. So trat Innenminister Gustav Heinemann wegen seiner ablehnenden Haltung zur Wiederbewaffnung schließlich zurück, nachdem er keinerlei Unterstützung mehr bekam. In Kabinettssitzungen ließ Adenauer einzelne Minister seine Position zuerst vertreten und schob Einwände ans Ende der Tagesordnung. Als Minister wurden Politiker ohne Hausmacht, d.h. keine Landesvorsitzenden oder Ministerpräsidenten ausgewählt. Viele Entscheidungen liefen auch völlig am Kabinett vorbei, weil die Fachminister von Detailaufgaben absorbiert waren. „Es bleibt alles beim Alten“ war die Unterschrift einer Karikatur. Die CDU, die dank ihres Vorsitzenden Regierungspartei war und blieb, dankte ihm die komfortable Rolle mit bedingungsloser Gefolgschaft. Angesichts dieser autoritären Anmutung muß hervorgehoben werden, daß Adenauers Politik inhaltlich mehrheitsfähig war und daß er mit ihr im demokratischen Rahmen blieb. Adenauer glaubte an seine Politik und arbeitete nicht auf eine Diktatur hin. Für die noch schwache Demokratie war die autoritäre, aber demokratische Führung ein Glücksfall, da sich noch 1952 eine große Mehrheit der Bevölkerung nicht für Politik interessierte. Der Kanzler befriedigte den Wunsch nach Führung, gleichzeitig stärkte die Lebensverbesserung das in der Weimarer Zeit beschädigte Vertrauen in die Demokratie. 1965 endete auch die undemokratische Beherrschung der politischen Landschaft, nachdem sich die SPD 1959 mit dem Godesberger Programm als echte Volkspartei präsentiert hatte und zur mehrheitsfähigen Alternative geworden war.
Die drängendsten Probleme für die erste Bundesregierung waren die Bewältigung der Kriegsfolgen und – damit eng verknüpft – die Ordnung des Wirtschaftslebens. Die Festlegung auf die soziale Marktwirtschaft klärte noch nicht alle Fragen. So gab es in der CDU auch Stimmen für eine stärkere Mitbestimmung der Arbeitnehmer, die in einigen Länderverfassungen auch festgehalten worden war. Im Bund konnte sich diese Richtung 1950 allerdings nicht durchsetzen: Angesichts des rapiden Aufschwungs war der Bevölkerung der persönliche Wohlstand wichtiger als die Partizipation an den Entscheidungen ihres Unternehmens. Nur in der Eisen- und Stahlindustrie konnte sich DGB-Chef Hans Böckler durchsetzen: Die ursprünglich in der britischen Zone vereinbarte Montanmitbestimmung wurde beibehalten. Adenauer lenkte im Mai 1951 an diesem Punkt ein, um politische Unruhen zu vermeiden und die unionsferne Haltung der Gewerkschaften aufzuweichen. Mit dieser Taktik verhinderte er die Entstehung eines sozialdemokratisch-gewerkschaftlichen Oppositionsblockes. Für die übrigen Branchen sah das im Juli 1952 verabschiedete Betriebsverfassungsgesetz eine Mitbestimmung der Betriebsräte nur in sozialen und personellen Fragen vor, in großen Betrieben sollten Arbeitnehmervertreter nur ein Drittel der Sitze im Aufsichtsrat halten. Adenauer selbst war nicht prinzipiell gegen eine paritätische Mitbestimmung, mußte aber Rücksicht auf den Koalitionspartner FDP nehmen. Ein weiteres wichtiges Gesetz war der im Mai 1952 beschlossene Lastenausgleich. Während die CDU durch Ausgleichszahlungen die früheren Eigentumsverhältnisse wiederherstellen wollte, zielte die SPD mit ihrem Gegenentwurf auf eine größere Egalität in der Bevölkerung und eine Umverteilung des Vermögens. Die Union setzte ihr Konzept durch, erweiterte ihn aber um Zahlungen an Flüchtlinge und entschärfte dadurch soziale Spannungen. Schließlich mußte das Wohnraumproblem gelöst werden: Im Krieg waren 2,3 Millionen Wohnungen zerstört worden, gleichzeitig mußten 10 Millionen Flüchtlinge untergebracht werden. 1951 fehlten noch 4,8 Millionen Wohnungen. Abhilfe schuf das 1. Wohnbaugesetz zur Förderung des sozialen Wohnungsbaus: Innerhalb von sechs Jahren wurden 1,8 Millionen Sozialwohnungen gebaut, trotzdem blieb die Wohnsituation schlechter als 1938.