In der Republik war die römische Herrschaft über die Welt durch Senat und Volk repräsentiert gewesen, Rom war das caput orbis terrarum. Mit dem Übergang zum Prinzipat ging auch die Würde der Weltherrschaft auf Augustus über. Seine Macht und das römische Reich wurde religiös überhöht als imperium sine fine (Vergil, Aeneis).
Augustus hatte durch seinen Sieg im Bürgerkrieg nach römischen Verständnis den Frieden mit den Göttern wiederhergestellt und damit den (ewigen) Bestand des Reiches gesichert. Siege und Niederlagen waren Manifestationen göttlicher Macht, die ständige Ausdehnung des beherrschten Gebiets unter Augustus also Ausdruck des Einklangs der neuen Staatsform mit den Göttern, was auch als Rechtfertigung für Kriege und Eroberungen galt.
Ideologisch war ein Feldzug und ein Sieg gegen die Parther deshalb dringend notwendig, weil die Erbeutung der Feldzeichen des Crassus im Jahre 53 v. Chr. immer noch den militärischen Ruhm Roms (und damit den Augustus’) schmälerte. Erst die Rückeroberung der Feldzeichen konnte das von Augustus verkündete goldene Zeitalter vollenden. Im Jahre 20 v. Chr. wurden die Feldzeichen nach massiven Drohungen des in Syrien weilenden Princeps zurückgegeben, die Kriegsgefangenen ausgeliefert und mehrere Söhne des parthischen Großkönigs an die Römer übergeben. Damit war die Weltherrschaft Roms endgültig vollendet.
Eine umfassende Siegesideologie setzte ein: die Feldzeichen wurden in einem eigenen Tempel ausgestellt und dem Augustus ein Triumhbogen errichtet. In den Res Gestae (Kap. 29) heißt es, Augustus habe die Parther gezwungen, die Feldzeichen dreier römischer Legionen zurückzugeben und knieend um Freundschaft zu bitten. Das Bild der knieenden Barbaren wurde auch auf Münzen geprägt und zu einem beliebten Symbol römischer (und kaiserlicher) Allgewalt. In den Darstellungen nimmt Augustus die Unterwerfung milde und gnädig an.
Andere Bilder aus dieser Zeit zeigten den Herrscher einerseits politisch korrekt in der Kleidung eines Magistrats, andererseits aber auch von den römischen Schutzgöttern umgeben. Diese, und nicht das römische Volk, legitimierten seine Herrschaft. Die Siege seiner Feldherren Tiberius und Germanicus wurden als Verdienst Augustus’ selbst dargestellt: die Prinzen waren nur Emissäre des sieghaften Princeps.
Als Sprachrohr der Propaganda diente neben Dichtern, Münzen, Bauwerken und plastischer Kunst auch die Kartographie: Agrippa fertigte nach einem unvollendeten Entwurf Caesars eine Weltkarte an (nach seinem Tod 12 v. Chr. von Augustus selbst vollendet), die den gesamten Erdkreis und die von Rom beherrschten Gebiete zeigte. Das sollte in den Augen des Volkes erneut die Macht und Größe des römischen Reiches unter Augustus zeigen. Obwohl die auf der Karte dargestellten Gebiete nur zum Teil unter römischer Herrschaft standen, war die gesamte Welt von Rom abhängig.
In den Res Gestae (Kap. 26-31) beschreibt Augustus seine außenpolitischen Erfolge und die Unterwerfung vieler Völker. Die Kap. 31-33 behandeln die Abhängigkeit der indirekt beherrschten Gebiete und die Gesandtschaften aus fernen Ländern. Damit beherrschte Rom die Welt, und Augustus beherrschte Rom.
In der Nähe des von Caesar begonnenen Forum Julianum errichtete Augustus das Augustusforum (das auch technisch wegen fehlender Gerichtsräume notwendig war) und einen Marstempel (nach einem Gelübde vor der Schlacht von Philippi). Im Tempel wurden die Statuen großer Männer aufgestellt: in einer Galerie die Familie der Julier und gegenüber die großen römischen Feldherren. Augustus’ Familie, die bis zum 2. Jahrhundert v. Chr. relativ unbedeutend gewesen war, erhielt so den gleichen Rang wie die römischen Helden. Der Senat ließ daraufhin auf dem Augustusforum eine Statue des Augustus als pater patriae errichten. Damit war der Sinn der Anlage vollendet: die großen Feldherren Roms und die glorreiche Familie der Julier münden in den größten aller Männer, den siegreichen Kaiser Augustus. Viele Völker waren als goldene Statuen aufgestellt, wodurch das von Augustus 16 v. Chr. verkündete goldene Zeitalter symbolisiert wurde. Das Bauwerk nannte der ältere Plinius eines der schönsten der Welt, seine Wikrung verbreitete sich im ganzen Reich.
Eine Kaiserkultanlage mit Aphroditetempel (1979 in Portugal entdeckt) enthält in der nördlichen von zwei Pseudosäulenhallen personifizierte Völkerdarstellungen. Die Statuen stehen auf Sockeln mit Inschrift zwischen jeweils zwei Halbsäulen. Trotz der fragmentarischen Überlieferung scheint es sich um ein Panorama des Reiches gehandelt zu haben, weil auch unbedeutende Völker genannt wurden. Das Ziel war auch hier, die allumfassende Herrschaft des Kaisers zu zeigen.
Die propagandistische Ausbeutung der Siege und der Weltherrschaft des römischen Reiches dienten zur Legitimation der Ausnahmestellung des Augustus. Im Bewußtsein des Volkes sollte sich seine Person und die Herrschaft zu einer untrennbaren Einheit verbinden.