1640 endete die politische Einheit der iberischen Halbinsel durch die Erbstreitigkeiten der Habsburger Monarchie. Bis 1808/1810 waren die staatlichen Verhältnisse allerdings weiter unklar. In Spanien ist die Nationalforschung ein traditionelles Gebiet der Geschichtswissenschaft, während Portugal, die älteste und ethnisch einheitlichste Nation Europas keine wissenschaftliche Tradition in diesem Bereich hat.
Der Begriff „Nationalismus“ ist in Spanien, anders als in den meisten europäischen Staaten, nicht negativ besetzt. Einige Historiker halten den Nationalismus für älter als die Nationen, also für eine Vorstufe der Nationsbildung. Die Modernisten gehen dagegen davon aus, daß Nationalismus und Nation Entwicklungen der Moderne sind. Prof. Nunez definiert die Nation als Personenkollektiv mit gemeinsamen Merkmalen, das das Ergebnis der nationalen Überzeugung seiner Mitglieder ist. In Spanien war der Begriff „Nation“ die legitimierende Bezeichnung der Oberschicht für ihren einheitlichen Staat. Später wurde er auch vom Ausland übernommen. In der frühen Neuzeit war Spanien ein stark katholisch geprägtes Kaiserreich, eine Bundesmonarchie aus einzelnen Königreichen. Aufstände bestimmter Regionen (Kastilien) waren häufig.
Portugal entwickelte ein pränationales Bewußtsein hauptsächlich in der Opposition gegen Kastilien. Wegen der geringen Differenzen konnte sich eine stabile Monarchie etablieren. Der Mythos von Sebastian (gest. 1548) - ein portugiesischer König, der zurückkehren und Portugal von den Spaniern befreien sollte - war die Haupttriebkraft der nationalen Bewegung. Trotz dieser scharfen Abgrenzung gegen Spanien waren die meisten Portugiesen zweisprachig.
Die Auswirkungen der französischen Revolution drängten die spanische Monarchie in die Defensive. Durch das Vordringen Napoleons kam es zu einer Welle des Patriotismus, der das Land in zwei Lager spaltete: für und gegen eine Zusammenarbeit mit den Franzosen. 1833 kam es zu einer Neuaufteilung der Territorien nach französischem Vorbild. Die außenpolitische (Verlust der Kolonien) und ökonomische Krise des 19. Jahrhunderts führte zu einem Kulturpessimismus der spanischen Intellektuellen. In Portugal wirkten die antifranzösischen Tendenzen einigend. Stattdessen suchte man England als Verbündeten. Föderale Strömungen wurden unterdrückt und der Sebastianismus wiederbelebt. 1890 scheiterten die kolonialen Träume einer Vereinigung der portugiesischen Kolonien Angola und Mozambique am Widerstand Großbritanniens.