3.3 Nach dem 30. Januar 1933

Nachdem die SPD 1928 frühzeitig aus der Regierung ausgetreten war, den Verfassungsbruch 1930 hingenommen hatte, keinen Kandidaten zur Reichstagswahl aufgestellt hatte und keine Mobilisierung gegen den „Preußenschlag“ 1932 versucht hatte, war die Weimarer Republik Ende Januar 1933 am Ende. Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler durch Hindenburg am 30. Januar begann schon im Februar der Terror der Nationalsozialisten. Kätze Schlächter (geb. 1910), eine junge Arbeiterin aus Köln, die seit 1925 in der SPD engagiert war, beschreibt in ihren Erinnerungen die Aktionen gegen Demokraten. Die Rheinische Zeitung, wo sie als Sekretärin arbeitete, wurde am 9. März verboten, SA und SS konfiszierten sämtliches Eigentum der Redaktion, verhfatete und mißhandelte den Chefredakteur Wilhelm Sollmann und andere Redakteure. Schlächter selbst wurde von ihrem Vermieter zum Umzug gedrängt und traf sich mit Gesinnungsgenossen heimlich bei eine Schuster am Griechenmarkt. Die Atmosphäre war aufgeladen, der „deutsche Gruß“ bei Prozessionen von SA und SS war Pflicht. Trotz des systematischen Terrors erreichte die SPD bei den letzten „freien“ Reichstagswahlen am 5. März noch 18,2%, die KPD 12,3% und das Zentrum 11%.

Bei der Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz kurz darauf lagen allerdings 26 von 110 sozialdemokratischen Abgeordneten mit schweren Verletzungen im Krankenhaus, sämtliche kommunistischen Abgeordneten waren im Gefängnis oder ebenfalls verletzt. Ein Antrag der SPD-Fraktion auf Freilassung der inhaftierten Kollegen wurde von der Parlamentsmehrheit abgelehnt. Vor der namentlichen Abstimmung hielt der Fraktionsvorsitzende Otto Wels eine Rede: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht“. Er schlug den Regierungsparteien NSDAP und DNVP vor, mit ihrer parlamentarischen Mehrheit von zusammen 51% doch verfassungsgemäß zu regieren und appellierte an das Rechtsbewußtsein des Volkes, bekannte sich zum Rechtsstaat, zur Menschlichkeit und zur Freiheit. Hitler antwortete höhnisch und arrogant im Bewußtsein seiner Macht. Während der folgenden namentlichen Abstimmung standen SA-Männer hinter den Abgeordneten, trotzdem stimmten alle SPD-Vertreter mit nein, die übrigen Parteien stimmten zu.

Am 1. Mai feierten nationalsozialistische Organisationen gemeinsam mit den Gewerkschaften den Tag der Arbeit, am nächsten Tag wurden die Gewerkschaftshäuser von der SA gestürmt. Viele Gewerkschafts- und SPD-Funktionäre flohen ins (noch nicht zum Reich gehörende) Saarland, darunter der SPD-Vorstand mit Otto Wels und Erich Ollenhauer. Mit dieser Begründung wurde die SPD am 22. Juni 1933 verboten. Innerhalb der Partei gab es eine lebhafte Diskussion um die Alternativen Widerstand oder Emigration. Mit der Illegalität wurde auch die Stärke der SPD, ihre gute Organisation, zerschlagen, eine sozialdemokratische Lebenskultur wurde unmöglich und die Emigration einiger Funktionsträger führte zum Kinflikt mit den Zurückbleibenden. Die Mehrheit der Mitglieder wählte die Strategie des „Überwinterns“, einige verleugneten aber auch irhe Zugehörigkeit oder wanderten zu anderen Parteien ab.

Bei den letzten geheimen Wahlen der frühen Zeit des Regimes im April 1933 und 1935 (Betriebsratswahlen u.ä.) ergab sich ein negatives Bild für die NSDAP, die Ergebnisse durften nicht veröffentlicht werden. Allerdings hätte 1938 nach Meinung von Historikern auch eine freie Volkswahl eine große Mehrheit für Hitler ergeben. Widerstand wurde zunehmend schwierig, viele Verhaftungen schürten ein Klima der Angst. Der Exil-Vostand versuchte, die politische Arbeit durch Vertrauensleute an den Grenzen des Reichs fortzusetzen, allerdings war es schwierig, unverdächtige und gleichzeitig uninformierte Adressaten zu finden. Der offene Widerstand durch den Putschversuch am 20. Juli 1944 scheiterte. 1934 wich der Vorstand von Saarbrücken nach Prag aus und veröffentlichte das Prager Manifest, später ging man nach Paris und London. Dort wurden die Sozialdemokraten als „feindliche Ausländer“ teilweise interniert, erhielten aber auch Unterstützung durch die Fabian-Society und andere. Gute Verbindungen bestanden nach Schweden (wo sich Brandt, Wehner und Kreisky aufhielten) und in die USA.