3.3 Italien

Ein weiteres Beispiel für die Gründung eines modernen Nationalstaats im 19. Jahrhundert ist Italien. Nationalbewußte bürgerliche Schichten versuchten 1848 mit einer Revolution einen gemeinsamen Staat zu schaffen, scheiterten aber an ihrer Uneinigkeit. Wie in Deutschland folgte eine Phase der Depression. Allerdings ergriff das Königshaus von Piemont-Sardinien die politische Initiative und entwarf unter der Leitung von Graf Cavour ein nationales Konzept. Mit Unterstützung Napoleons III. wurden die Österreicher verdrängt. Eine Volksbewegung von Sizilien aus unter Führung Garibaldis blieb allerdings erfolglos. Schließlich konnte sich Vittorio Emmanuele von Piemont-Sardinien als italienischer König durchsetzen. Um dieses Ziel zu erreichen, benutzte er den politischen „Bonapartismus“, benannt nach dem Neffen Napoleons I. Dieses neue Politikmodell bestand in einer taktischen Anpassung eines Vertreters der ständischen Nation an die politischen Vorstellungen der bürgerlichen Nation mit dem Ziel der innenpolitischen Durchsetzung. Napoleon III. war als Vertreter des „neuen“ Adels im Dezember 1848 von der Nationalversammlung zum französischen Präsidenten gewählt worden und hatte sich erst drei Jahre später in einem Staatsstreich zum Kaiser machen lassen. Eine ähnliche Strategie verfolgte auch der preußische König Friedrich Willhelm IV., als er versuchte, sich an die Spitze der Revolution von 1848 zu setzen versuchte. 1870 wurde Rom als „natürliche“ Hauptstadt Italiens erobert, allerdings gibt es noch zahlreiche irredenta (unerlöste Gebiete außerhalb des italienischen Nationalstaats, z.B. das Trentino). Träger des Staates waren Großbürger und Adelige, zur Legitimation war allerdings die Zustimmung aller Italiener notwendig.