3.1 Kampf um die Republik

Obwohl die Sozialdemokratie in der Weimarer Republik für den Erhalt der Demokratie stand und der erfolgreiche Generalstreik gegen den Kapp-Putsch im März 1920 die Zustimmung in der Bevölkerung zur Republik gezeigt hatte, verlor die SPD bei den Reichstagswahlen im Juni 1920. Im Vergleich zur Wahl der Nationalversammlung 1919 verlor sie 16 Prozentpunkte und erreichte nur 22%, die USPD konnte dagegen ihr Ergebnis von 7% auf 18% steigern, die erstmals angetretene KPD erhielt 2%. Die liberale DDP (Deutsche Demokratische Patei) sackte von 18% auf 8% ab, das Zentrum verlor durch die Abspaltung der Bayerischen Volkspartei 6 Prozenpunkte und erreichte 14%. Bei den rechten Parteien steigerten sich Stresemanns DVP (Deutsche Volkspartei) von 4% auf 14%, die DNP (Deutsche Nationalpartei) von 5% auf 15%. Insgesamt wurden die Ränder des Parteienspektrums gestärkt. Die SPD gab ihre Führungsrolle an das koalitionsfähigere Zentrum ab, das von nun an die Regierung bildete. In der Oppositionsrolle (bis 1928) verfolgten die Sozialdemokraten einen Kurs der Tolerierung aus Gründen der Staatsräson (z.B. bei der Ruhrbesetzung 1923). 1924 erreichte die Partei bei den Reichstagswahlen mit 26% wieder ein deutlich besseres Ergebnis.

Der Grund für den Anstieg war die Änderung der Sozialstruktur von Mitgliedern und Wählern: Als staatstragende Kraft wurde die SPD auch für Bürgerliche, d.h. Angestellte und Beamte wählbar. Ausdruck dieser Veränderung war auch das auf dem Parteitag in Görlitz 1921 verabschiedete neue demokratisch-republikanische Parteiprogramm (federführend war Eduard Bernstein). Dagegen orientierte sich die abgespaltene USPD schon 1920 auf ihrem Parteitag in Halle nach links. Lenin forderte als Bedingung für einen Beitritt zur kommunistischen Internationale eine Unterordnung unter die russische KP und die Anerkennung der Diktatur des Proletariats. Nur wenige Stimmen sprachen sich für eine Bindung an die internationale Sozialdemokratie aus, die Mehrheit der Delegierten beschloß einen Beitritt zur KPD. Die Rückkehr einiger USPDler zur SPD wirkte sich auf das in Heidelberg 1925 verabschiedete Parteiprogramm aus: Die marxistischen Elemente wurden gestärkt. Die Selbstauflösung der USPD stärkte aber vor allem die KPD bei den Reichstagswahlen: 1924 konnten sie sich auf 12,5% steigern (1928: 10%, 1932: 17%). Eine weitere linke Gruppierung war Leonard Nelson – Sozialistischer Jugendbund, der 1926 aus der Bewegung der Sozialdemokratie ausgeschlossen wurde und sich in Internationaler Sozialistischer Kampfbund (ISK) umbenannte.