Die revolutionäre Phase der modernen Nation war prägend für die neuere Geschichte. Dabei gilt die französische Revolution als Muttermodell. Die grundlegenden Strukturen, die sich durch die Entstehung von Nationalstaaten in Europa bildeten, waren letztlich die Ursache der Weltkriege und auch der aktuellen Konflikte in Bosnien und im Kaukasus. Nationale Bewegungen sind allerdings nicht auf das Zeitalter der demokratischen Revolutionen beschränkt, der Zusammenbruch des Ostblocks 1990 führte zur Entstehung neuer Nationalstaaten und nationaler Konflikte.
Die aus Bürgern gebildete Armee war der Kern des frühmodernen Nationalstaats: einerseits als Garant der nationalen Autonomie, andererseits als Ausdruck des Selbstbewußtseins und der nationalen „Ehre“, ein aus der ritterlichen Ethik übernommener Begriff. Heute kommt es (in Westeuropa) langsam zur Trennung von Nationalbewußtsein und militärischem Komplex. Trotz der militärischen Identifikation verlief die Durchsetzung der modernen Nation nicht notwendig kriegerisch. Die Gründung des belgischen Staates 1832 forderte „nur“ vier Tote, die nationale Revolution der DDR verlief vollkommen gewaltfrei.
Die Ideologie des Nationsbewußtseins folgte keiner bestimmten politischen Richtung, sondern hatte eine gesamtgesellschaftliche Umformung zum Ziel. Innerhalb der Nationsbewegung gab es allerdings verschiedene politische Ansichten über den Weg zum Nationalstaat oder über das Gesellschaftssystem. Die „unpolitische“ nationale Ideologie dagegen hat zwei Dimensionen:
Der Nationalismus stellt eine Zuspitzung der zweiten Dimension nationaler Ideologie dar: eine extreme Abgrenzung der eigenen Nation gegenüber allem anderen.
Die Durchsetzung der allgemeinen Bürgerrechte (Freiheit und Gleichheit), die von einigen Nationen als Programm fomuliert worden war, wurde im 19. Jahrhundert von keinem Nationalstaat eingelöst - ein Beleg für den unvollendeten Charakter der nationalen Ideologie.
Auch in vormoderner Zeit gab es den Nationalstaat, als dessen Träger die ständische Adelsnation fungierte. Allerdings setzte auch der vormoderne Staat eine ethnische Grundidentität (z.B. im bourbonischen Frankreich oder in Schweden) zur nationalen Legitimation voraus. Zu Beginn der politischen Modernisierung lag die Initiative meist bei einer „Minoritätennation“, d.h. bei bestimmten, politisch bewußten gesellschaftlichen Gruppen. Die konstituierende Bevölkerungsgruppe war wesentlich für den Charakter des Staates: in Polen war es der Adel, in Irland die Landbevölkerung und der Klerus.
Es gibt zwei Grundtypen des nationalen Staates:
Bis in die sechziger Jahre galt das unitarische Modell als das Idealbild eines modernen Staates. Die Durchsetzung des modernen Nationalstaats in Europa vollzog sich in mehreren Phasen
Der Nationalstaat hat sich als selbstbestimmte politische Organisation einer Nation bewährt. Seine Durchsetzung erfolgte meist aus innenpolitischen Gründen, als Ausdruck des Wunsches nach einer gemeinsamen Organisation der Bevölkerung. Die Zustimmung der Bevölkerung ist auch das Lebenskriterium eines Staates, der sonst vom Zerfall bedroht ist (z.B. Jugoslawien). Eine Gesellschaft wird durch eine Staatsgründung zum außenpolitischen Machtfaktor und damit abhängig vom System der Staaten. Mit der Gründung eines Staates geht die politische Modernisierung einher, d.h. die Durchsetzung der Demokratie bzw. die Klärung der Machtverhältnisse.
Im 19. und 20. Jahrhundert gab es durch den Ausfall des Hochadels als nationsübergreifende diplomatische Schicht und das höhere militärische Potential größere und härtere Konflikte, die mit dem sacer egoisme (geheiligter Egoismus) der Nationalstaaten begründet wurden. Irredentismus und Revisionismus sind Beispiele für die durch die Staatsgründung entstandenen konfliktträchtigen Haltungen.