2.4 Expansion

Der Expansionsprozeß war verantortlich für die grundlegende Veränderung der römischen Gesellschaft. Zwei Begriffe spielen eine entscheidende Rolle:

Das Sicherheitsbedürfnis Roms führte zu einer ständigen Expansion in seiner Umgebung. Bis zum 1. Punischen Krieg beherrschte Rom direkt oder indirekt die gesamte italische Halbinsel. Die Bündnispolitik verwickelte den Staat ständig in neue Kriege, sobald ein Bundesgenosse angegriffen wurde (Bündnistreue war ein Grundwert). Nach dem 1. Punischen Krieg mußten zwei Provinzen gebildet werden: Sardinien/Korsika und Sizilien. Die Statthalter hatten in ihren Provinzen die militärische Befehlsgewalt und waren gleichzeitig der Kontrolle des Senats entzogen. Diese Konstellation führte letztlich zum Ende der Republik. Nach dem 2. Punischen Krieg kamen die hispanischen Provinzen hinzu, später Makedonien und Africa.

Der Senat erkannte zwar die Gefahr, war aber gezwungen, Statthalter einzusetzen, um das erworbene Gebiet nicht wieder zu verlieren, was dem römischen Rechtsempfinden widersprochen hätte. Trotzdem blieb die indirekte Einflußnahme auf nominell unabhängige Staaten das bevorzugte Mittel römischer Politik. Dadurch ergab sich keine Fürsorgepflicht für Rom, und die römischen Händler nutzten ihre Machtposition aus, um sich zu bereichern. Viele Könige vermachten deshalb ihre ruinierten Reiche an den römischen Senat, der sie widerwillig annahm.

Die Republik war nicht geeignet, ein großes Territorium zu beherrschen, weil ihre Verfassung keine administrativen Organe für die Provinzen vorsah, so daß die Persönlichkeit des Statthalters wichtiger war als regionale oder sachliche Erfordernisse. Die Stellung der Statthalter verleitete viele zur Korruption, um sich nach ihrer Rückkehr politische Macht zu erkaufen.