Für den ersten Bundestag kandidierten 1949 16 Parteien und 70 unabhängige Kandidaten, was die Zeitgenossen eine ähnliche Zersplitterung der politischen Landschaft wie in der Weimarer Republik befürchten ließ. Tatsächlich waren die Machtverhältnisse schon in der ersten Legislaturperiode äußerst stabil, hinzu kam ein Konzentrationsprozeß, der die Parteienlandschaft bis zum Auftreten der Grünen Anfang der 80er Jahre auf drei Parteien CDU/CSU, SPD und FDP schrumpfen ließ. Die in den 50er Jahren noch zahlreich vorhandenen Kleinparteien sanken in die Bedeutungslosigkeit oder wurden von den sogenannten Volksparteien aufgesogen, ein Prozeß, von dem zunächst vor allem die CDU/CSU, seit der Öffnung mit dem Godesberger Programm auch die SPD profitierte. Bei der ersten Bundestagswahl 1949 waren allerdings noch ein Drittel aller Stimmen an kleine Parteien gegangen, bei der zweiten 1953 immerhin noch ein Viertel.
Viele Parteien waren in regionalen Hochburgen sehr stark, wie die Deutsche Partei (DP) in Niedersachsen. Ein Jahr nach ihrer Gründung 1946 wurde sie auch bundesweit aktiv, ohne allerdings außerhalb ihres Schwerpunktes in Norddeutschland Erfolge erzielen zu können. Nur weil sie in Niedersachsen die landesweite Sperrklausel überwinden konnte, zog sie mit bundesweit 4% in den ersten Bundestag ein. Sie war in zwei Flügel gespalten, den konservativen um den Vorsitzenden Heinrich Hellwege, Minister unter Adenauer und Ministerpräsident in Niedersachsen, und den nationalen Flügel um den Verkehrsminister Hans-Christoph Seebohm. 1957 rettete nur ein Wahlbündnis mit der CDU die Partei vor dem Verlust aller Bundestagsmandate. Im Juli 1960 kam es zum Bruch der Fraktion wegen der Haltung gegenüber der FDP in Niedersachsen: Hellwege und 8 weitere Abgeordnete des konservativen Flügels (von insgesamt 16 Abgeordneten der DP) wechselten zur CDU. Die DP fusionierte daraufhin mit dem Gesamtdeutschen Block / Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BG/BHE) zur rechten Gesamtdeutschen Partei, die aber bei den Wahlen von 1961 nur 2,8% erzielen konnte. Daraufhin löste sich die Partei auf, viele Mitglieder traten zur CDU über. Nur noch im hessischen Landtag hielt sich bis Ende 1962 eine Fraktion der DP.
Der Partner der Fusion von 1961, der BG/BHE war eine Partei der Flüchtlinge. 1949 gehörten 16,3% (7,6 Millionen) der Bevölkerung im Westen dieser Gruppe an, so daß der BG/BHE als Vertreter ihrer Interessen eine starke Stellung hätte haben können. Allerdings wünschten die Alliierten keine Flüchtlingspartei und verweigerten die notwendige Lizenz. Trotzdem errangen Einzelkandidaten aus dem BG/BHE zusammen 800.000 Stimmen, ohne von einem Parteiapparat unterstützt zu werden. Waldemar Kraft, der Initiator der Partei, konnte schließlich doch eine Lizenzierung erreichen und den BG/BHE zunächst in den Flüchtlingsgebieten Schleswig-Holstein und Bayern, später auch bundesweit etablieren. Die Ziele der Partei waren die friedliche Revision der Grenzziehungen, ein Lastenausgleichsgesetz (das später von der CDU verwirklicht wurde), Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Gleichberechtigung der Frauen. Ihre Mitgliederstruktur war äußerst heterogen: 1954 hatte der BG/BHE 165.000 Mitglieder aus allen politischen Richtungen (CDU: 205.000, FDP: 60.000), so daß der BG/BHE sich notgedrungen als Partei der Mitte präsentierte. Tatsächlich war aber die Führung um Waldemar Kraft und Theodor Oberländer (ein früherer NS-Gauamtsleiter) äußerst rechts eingestellt, was zu heftigen Diskussionen um die politische Richtung führte. Trotz dieser Querelen konnte die Partei neben großen Erfolgen in ihren Hochburgen (23,4% bei den Wahlen zum Landtag von Schleswig-Holstein 1950) bei der zweiten Bundestagswahl 1953 immerhin noch 5,9% erzielen und in eine Koalition mit der CDU eintreten (der umstrittene Oberländer wurde Vertriebenenminister). Wegen der Haltung zu Adenauers Außenpolitik kam es schließlich zum Bruch: die Gruppe Kraft/Oberländer trat zur CDU über, Frank Seiboth, ein ehemaliger NS-Schulungsleiter, übernahm den Vorsitz. Die Fusion mit der DP aus Angst vor der Niederlage konnte das Ausscheiden aus dem Bundestag nicht verhindern.
Eine besonders stark regional geprägte Partei war die Bayernpartei, die im März 1948 eine Landeslizenz erhielt. Unter dem populären Vorsitzenden Baumgartner, dem ehemaligen CSU-Landwirtschaftsminister, agitierte sie gegen ein „zentralistisches“ Grundgesetz und für ein eigenständiges Bayern. Bei der ersten Bundestagswahl erzielte sie zu Lasten der CSU 17 Mandate vor allem mit den Stimmen bayerischer Monarchisten und Separatisten. Die CSU verlor bei dieser Wahl 23% ihrer Wähler und erzielte nur 29% der Stimmen. Aber schon 1953 verpaßte die Bayernpartei den Wiedereinzug in den Bundestag, in Bayern selbst spielte sie noch bis Ende der 50er Jahre eine Rolle, wurde aber dann von der übermächtigen CSU erdrückt. In Nordrhein-Westfalen konkurrierte die CDU mit der Zentrumspartei unter der Vorsitzenden Helene Wessel, die im ersten Bundestag 10 Abgeordnete stellte. 1953 rettete sie allerdings nur noch ein Wahlbündnis mit der CDU, sie zog über zwei Direktmandate ein. Ein Bündnis mit der Bayernpartei 1957 mit dem Ziel eines stärkeren Föderalismus scheiterte, 1958 trat die Landtagsfraktion in NRW zur CDU über.
Ebenfalls in Bayern trat die Wirtschaftliche Aufbauvereinigung (WAV) an. Sie trat entschieden gegen die Entnazifizierung ein und erreichte bei der Landtagswhal 1946 in Bayern 7%. Bei der Wahl zum ersten Bundestag erhielt sie 14% der bayerischen Stimmen, 1953 allerdings nur noch 2%. Als Reaktion auf den Niedergang plante der Vorsitzende Loritz, ein ehemaliger Widerstandskämpfer, im Juli 1951 eine Fusion mit der neofaschistischen Sozialistischen Reichspartei (SRP). Die SRP war von überzeugten Nazis gegründet worden, die Hitlers designierten Nachfolger Großadmiral von Dönitz als deutsches Staatsoberhaupt betrachteten und eine „Führungsdemokratie“ statt einer parlamentarischen Demokratie durchsetzen wollten. Bei ihrer Gründung saßen bereits einige Mitglieder für die Deutsch-konservative Partei im ersten Bundestag, bei der Landtagswahl in Niedersachsen 1950 erhielt die SRP 11% der Stimmen. Trotz des Hintergrundes der SRP verteidigte Loritz sie gegen die Vorwürfe seiner Parteifreunde. Tatsächlich lagen die Vorstellungen Loritz‘ und der SRP nicht weit auseinander: Beide standen für eine diffuse Mittelstandspolitik und eine Stärkung der direkten Demokratie durch Volksentscheide. Auch Loritz favorisierte eine „Führungsdemokratie“, jedenfalls hielt er ein Programm der WAV für überflüssig. Sein Widerstand gegen das NS-Regime entsprang wohl eher einem Neid auf Hitlers Machtposition als einem demokratischen Widerwillen gegen den Führerstaat. Auch die WAV-Fraktion im Bundestag vertrat nationalistische Ansichten, sie versuchte, die NS-Verbrechen mit dem Unrecht der Vertreibung gleichzusetzen, und agitierte gegen das Potsdamer Abkommen. Angesichts des Rechtsdralls der WAV kamen die Pläne zur Fusion 1951 nicht überraschend. Allerdings hatte die Bundesregierung im September 1950 das Verbot der SRP beim Bundesverfassungsgericht beantragt. Wenn sich die Abgeordneten der WAV durch den Neofaschismusvorwurf gegen die SRP auch nicht stören ließen, so fürchteten sie doch um ihre Mandate bei einem Parteiverbot des künftigen Partners. Sie setzten Loritz ab und schlossen ihn aus der Fraktion aus, wodurch sie allerdings auch selbst ihren Fraktionsstatus einbüßten. Auf einem fingierten „Parteitag“ ließ Loritz im Gegenzug die Abgeordneten aus der WAV ausschließen, worauf sie im September 1951 als bayerische Gruppe der Fraktion der DP beitraten. Diese opportunistische Politik zur Rettung der eigenen Mandate half nicht: 1953 erhielten die ehemaligen WAVler nur aussichtslose Listenplätze. Die WAV selbst war nun nur noch eine Einmannpartei, die erneut eine Fusion mit der SRP suchte. Deren Verbot im Oktober 1952 vereitelte diese Pläne. Die Führungsschicht der SRP wollte das Verbot unterlaufen und trat mit verschiedenen Tarnorganisationen zu Wahlen an. Eine davon, die Deutsche Aufbauvereinigung – WAV sollte unter Führung Loritz‘ an die niedersächsischen Erfolge anknüpfen, scheiterte aber kläglich. Daraufhin orientierte sich die SRP an der Deutschen Reichspartei (DRP), die trotz ihrer Funktion als rechtes Sammelbecken bei den folgenden Wahlen kaum über 1% kam. Erst Ende der 60er Jahre erhöhte die wirtschaftliche Rezession die Chancen rechter Parteien erneut, die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) verpaßte aber mit 4,3% den Einzug in den Bundestag, obwohl sie in einigen Landtagen kurzzeitig Mandate erringen konnte.
Am linken Rand der Parteienlandschaft stand die traditionsreiche Kommunistische Partei Deutschlands (KPD). Sie wurde trotz ihrer realtiven Bedeutungslosigkeit (Bundestagswahl 1953: 2,2%) vom Bundesverfassungsgericht im August 1956 verboten, was vor allem der Radikalisierung des linken Spektrums Vorschub leistete. Anfangs hatte die Partei in einigen Ländern noch 10% der Stimmen erringen können (1947 in NRW sogar 14%), bei der Bundestagswahl 1949 fiel sie dagegen auf 5,7%, während sie zwischen 1924 und 1933 zwischen 9 und 17% erhalten hatte. Nun fehlten ihr nicht nur die linken Hochburgen Sachsen und Thüringen, auch die im Westen allgemein abgelehnte Politik der eng mit ihr verbundenen SED brachte einen starken Sympathieverlust. Auch die fehlende Eigenständigkeit gegenüber den Initiativen der SED bereitete ihr Probleme: Die Übernahme des SED-Programms von 1948, das einen friedlichen Übergang zum Sozialismus verneinte und zu scharfem Klassenkampf aufrief, führte zum Verbotsantrag der Bundesregierung 1951 mit der Begründung, die KPD plane die Abschaffung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Der parallele Verbotsantrag gegen die SRP wurde rasch entschieden, die KPD blieb aus Sorge um die Beziehungen zur Sowjetununion und zum Osten Deutschlands noch mehrere Jahre erlaubt, bis die letzte Hoffnung auf eine Wiedervereinigung geschwunden war. Unmittelbar vor dem Verbot stellte die KPD nur noch in Bremen knapp über 5% der Abgeordneten, so daß die Begründung für ihre Gefährlichkeit reichlich gewunden ausfallen mußte. Nach langen Jahren der relativ unauffälligen Illegalität ermöglichte die neue Ostpolitik der SPD und eine politische Entspannung in den 70er Jahren ihre Neugründung als DKP.
Die extremen und regionalen Strömungen des zunächst noch bunten Parteiensystems hatten also nur kurzfristig eine Chance. Im Laufe der ersten vier Bundestagswahlen sank die Zahl der im Bundestag vertretenen Parteien rasch von 12 auf 3, auf Landesebene folgte die Konzentration leicht zeitversetzt. Die Ursache für die Neigung der Wähler zu stabilen Verhältnissen war neben der Zufriedenheit mit der wirtschaftlichen Entwicklung auch der gemeinsame Feind des eigenen Systems im Osten, der den Zusammenhalt und das Engagement für demokratische Parteien stärkte.