Den Begriff Nationalismus gibt es seit etwa 100 Jahren. Ende des 19. Jahrhunderts verrtat die rechte politische Bewegung Maurras in Frankreich einen „nationalism intégral“ und grenzte sich damit gegen die liberalen und linken Parteien ab. In Italien entstand im Zusammenhang mit der Kolonisierung Afrikas ein selbstbewußter Nationalismus. Deutschland entwickelte nach dem 1. Weltkrieg (Ernst Jünger) unter dem Eindruck der Niederlage einen aggressiven, gegen andere gerichteten Nationalismus. Nationalismusforschung gibt es seit den 20er Jahren in den USA, in Europa erst seit 1945. Sie umfaßt heute alle nationalen Phänomene.
Neben dem organisierten Nationalismus des 20. Jahrhunderts, der ein ethnisches, ausgrenzendes Nationsverständnis in bereits existierenden Nationalstaaten vertrat und sich also gegen die integrative Staatsidee richtete, gab es den nach außen gerichteten politischen Nationalismus, der sich vor allem gegen andere Nationen richtete, sie abwertete und die Grenzen des eigenen Nationalstaats erweitern wollte (z.B. Frankreich als „Grande Nation“, England als „Greater Britain“). Unter Nationalismus versteht man allgemein ein politisches Verhalten, daß nicht die Gleichwertigkeit aller Nationen annimmt.