Zwiebeltheoretiker

Der gehobene Journalismus hat ein Faible für komplexe Themen, bei denen das eigentliche Problem grundsätzlich tiefer liegt. Das gilt für die Weltwirtschaft –

Nichts an dieser Analyse ist falsch, und doch übersieht sie ein tiefer liegendes Problem, das viele Wirtschaftswissenschaftler längst für die eigentliche Ursache der Weltrezession halten. – Die Zeit, Nr. 3 vom 14. Januar 2010

– wie für die deutsche Steuerpolitik.

Offenbar widerstrebt es den geschätzten Schreiberinnen und Schreibern, verschiedene Aspekte eines Themas darzustellen, ohne diese nach ihrer Nähe zum Seinskern des Themas zu ordnen. Vielleicht fürchten sie, ihr mehrseitiges Dossier könnte fahrig und unzusammenhängend wirken, wenn sie nicht vom dünnen Firnis der Oberfläche zielsicher zu den unerforschten Tiefen vorstoßen?

Das tiefer liegende Problem dieser Methode ist aber ihre Nähe zu den gängigen Verschwörungstheorien, die hinter jeder identifizierbaren Gruppe mit einem nachvollziehbarem Motiv eine mysteriöse Gruppe mit einem völlig anderen Motiv vermuten. Immerhin haben sich angeblich leitende Mitarbeiter der DvH-Medien GmbH (Die Zeit) im vergangenen Jahr mit Rupert Murdoch (The Times) zur gemeinsamen Proust-Lektüre getroffen. Zufall?