Nachdem die Musikindustrie den Kampf gegen die unerlaubte Verbreitung ihrer Produkte verloren hat und die Filmindustrie trotz heftiger Gegenwehr erkennbar wankt, sollte man meinen, dass Zeitungs- und Buchverlage sich eine etwas originellere Strategie für das digitale Zeitalter einfallen lassen. Andererseits darf natürlich jede Branche selbst auf die heiße Herdplatte namens DRM fassen, um zu lernen, was dann passiert.
John Siracusa beschreibt auf Ars Technica den Effekt sehr anschaulich:
Nuances aside, the big picture remains the same: DRM for digital media distribution to consumers is a mathematically, technologically, and intellectually bankrupt exercise. It fails utterly to deliver its intended benefit: the prevention of piracy. Its disadvantages, however, are provided in full force: limiting what consumers can legally do with content they have legitimately purchased, under threat of civil penalties or criminal prosecution.
Ich hatte das Vergnügen, das mit einem Sony Reader Touch Edition und einem DRM-geschützten eBook auszuprobieren. Der Reader war als Geschenk eines lieben Verwandten für eine liebe Verwandte gedacht. Mir fiel die Rolle dessen zu, der das eBook auf den Reader übertragen sollte. Zunächst sollte ich die Sony-Software auf meinem Mac installieren, was mangels Rosetta-Umgebung scheiterte. Mehr als drei Jahre nach Apples Umstellung auf Intel-Prozessoren noch PowerPC-Software auszuliefern, zeugt immerhin von einer sympathischen Bedächtigkeit, die Sonys beeindruckende Quartalszahlen in den letzten Jahren sicher stark beeinflusst hat. Eine Installation unter Windows brachte mich dann immerhin bis zur Eingabeaufforderung für das DRM-Passwort des Schenkenden (das ich nicht kannte). Schon dieser gescheiterte Versuch, das eBook auf den Reader zu kopieren, bescherte dem Schenkenden eine hysterische E-Mail von Adobe: Ein unberechtigter Versuch, geschützte Inhalte zu kopieren, habe stattgefunden! Was hätte Adobe wohl geschrieben, wenn ich das DRM ausgetrickst hätte? Das Ende der Welt ist nahe, befehlt Eure Seele Gott
?
Leider sieht das verbreitete EPUB-Format die Einbettung beliebiger DRM-Systeme vor, so dass der Phantasie der Verlage keine Grenzen gesetzt sind. Um das Match etwas spannender zu machen, sollte der Börsenverein des deutschen Buchhandels dringend rechtliche Schritte gegen die Anbieter von OCR-Software einleiten. Ich wünsche weiterhin viel Spaß beim Entwickeln paranoider Vertriebsstrategien.