Großblatt vs. Kleinblatt

Mit dem Gegensatz zwischen dem eingeweichten Müesli des Dr. Bircher und dem kernigen schwäbischen Müsli ist eine wesentliche Bruchlinie des Marktes für ungemahlene Getreideflockenmischungen angesprochen. Auf der Seite der harten Seitenbachers stehen die Firmen Rapunzel, Schneekoppe und die verschiedenen Discounter, während Allos, Barnhouse, Bauckhof, Weetabix und natürlich die schweizer Hersteller das Adjektiv zartschmelzend für ihre Produkte in Anspruch nehmen.

Der Barnhouse-Gründer Neil Reen behauptet, dass die Kernigkeit der klassischen Müslis ihn zur Kreation eines eigenen Müslis getrieben habe:

Möchten Sie wissen, warum Barnhouse nun ein Müsli macht? [...] Ich konnte einfach kein Müsli finden, dass [sic!] meinen Geschmack trifft. Warum muss Müsli immer so kernig sein? Dabei halten wir in unserem Betrieb Tag für Tag feine, zarte Haferflocken in den Händen [...] Pferdefutter adé!

In der Hitze des Gefechts fallen sogar ganze Getreidesorten unter den Tisch, wenn etwa der Bauckhof ein Müsli anpreist als extra kaufreundlich, da ohne Roggen und Gerste.

Neutralität in diesem Glaubenskrieg können eigentlich nur integrierte Getreidekonzerne wie der Haferflockenhersteller Kölln beanspruchen, die mit dem Dreiklang Köllns echte Kernige (Großblatt), Blütenzarte Köllnflocken (Kleinblatt) und Köllnflocken Instant (gepresstes Hafermehl) die gesamte Bandbreite von kernig bis breiig abdecken.

Andere Hersteller, wie etwa die wunderbare Spielberger Mühle, bieten neben Groß- und Kleinblatt die Variante Zartblatt an, für die gegrützte Getreidekörner doppelt / bzw. mit hohem Druck gewalzt werden. Im anglo-amerikanischen Sprachraum sind Zartblatt-Flocken als quick-cooking porridge bekannt, und bei besonders zarten Zartblattflocken ist der Weg zum echten Brei auch in ungekochtem Zustand nicht mehr weit.