Bei einer Befragung in der US-Zone im August 1945 gaben 90% der Befragten an, politikmüde zu sein, 73% mit der Begründung, es werde den Deutschen ohnehin auf absehbare Zeit keine politische Betätigung erlaubt werden, 67% in dem Glauben, Politik führe zwangsläufig zu Krieg. Einen großen Einfluß auf die Abkehr von den deutschen Belangen dürfte aber auch der alltägliche Kampf ums Überleben gehabt haben. Während 1945 die Sorge um Vermißte die schlechte Versorgungslage teilweise noch überlagert hatte, traten 1946 die eigenen Probleme in den Vordergrund. Auf dem Land war die Lage wegen der Selbstversorgung zunächst um einiges besser als in den ausgebombten Städten, mit dem Wiederaufbau staatlicher Verwaltung und der daraus resultierenden besseren Verteilung von Lebensmitteln glich sich die Situation allerdings rasch an. Die Vorräte waren streng rationiert und wurden mit Lebensmittelkarten zugeteilt. Standen der Bevölkerung in der am besten versorgten US-Zone zunächst 1.550 Kalorien pro Tag zu, verringerte sich diese knappe Ration Mitte 1946 auf 1.330 Kalorien, in anderen Besatzungszonen sogar auf 900 Kalorien. Zum Verlust der agrarischen Ostgebiete, fehlendem Dünger und Geräten kam auch noch eine Mißernte. Auf dem florierenden schwarzen Markt kostete in dieser Zeit ein Pfund Butter 230 Mark, das entsprach dem Monatslohn eines Facharbeiters. Die strukturelle Arbeitslosigkeit auf dem Land und in den meisten Industrien war hoch, während gleichzeitig in einigen Branchen wie dem Bergbau Arbeitskräftemangel herrschte. Auch die Wohnungssituation war katastrophal: In den Städten war ein großer Teil der Unterkünfte durch die Bombenteppiche der Alliierten im Krieg zerstört worden, die ländlichen Gebiete mußten dafür einen Bevölkerungszuwachs von bis zu 50% durch die aus den Ostgebieten strömenden Flüchtlinge verkraften. Der Zustrom von 10 Millionen mittellosen, durch Verlust und teilweise Vergewaltigung traumatisierten Deutschen führte zu sozialen Spannungen und zu Fremdenfeindlichkeit. Hauptsächlich wegen der Erfahrungen dieser Zeit führte der neue Wohlstand in den 50er Jahren zu einem enorm gestiegenen Selbstbewußtsein: „Wir sind wieder wer!“
Die politische Säuberung (Entnazifizierung) wurde am konsequentesten in der US-Zone betrieben. Aber auch hier scheiterte eine wirkungsvolle Verfolgung von Schuldigen an der schieren Masse der Belasteten. Zunächst hatte man an alle über 18jährigen Fragebögen verteilt, an deren Beantwortung die Zuteilung einer Lebensmittelkarte gebunden war. Von 13,4 Millionen befragten Bürgern wurden 3,6 Millionen aufgrund äußerer Merkmale als belastet eingestuft. Da aber die individuelle Bearbeitung jedes Falls unmöglich erschien, amnestierte man einen großen Teil der betreffenden Personen bzw. stufte sie als „Mitläufer“ ein. Dies führte dazu, daß teilweise ortsbekannte Nazis straffrei ausgingen, was das Vertrauen der Bevölkerung in die Entnazifizierung nicht gerade stärkte. Immerhin wurden noch 950.000 Belastete individuell befragt, während in der englischen und französischen Zone nur Beamte und Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes überhaupt erfaßt wurden. Aber auch in der US-Zone konnten als Mitläufer eingestufte Deutsche in ihren Beruf zurückkehren – die Sowjets entfernten alle erfaßten Belasteten (wobei die Erfassung ebenfalls nicht sehr effektiv war) dauerhaft aus ihren Positionen und besetzten die Posten mit Kommunisten.