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Die Menschmaschine
Das im Frühjahr 2020 in 17 Versionen verfügbare Windows 8 soll berücksichtigen, dass Nutzer/innen teilweise mehr als einen Computer verwenden:[User] accounts will still be the primary method of accessing Windows for individuals, fast user switching is a continued focus, and most notably, Windows accounts could be connected to the cloud which would allow for roaming settings/preferences between PCs and devices and PCs to log on to websites on the user’s behalf — all marking an evolution of Windows identity from being machine-centric to user-centric.
Ob das wirklich gute Neuigkeiten sind? Hinter Microsofts Nutzerorientierung verbergen sich immerhin auch Dinge wie Clippit oder die vermaledeiten Windows-Assistenten, die einem zuverlässig den Weg zur tatsächlich benötigten Funktion verstellen.
2010-06-30
Preisgestaltung
Ich habe mich immer gefragt, wie Entwickler sich fühlen, wenn sie ihre schönen Programme für iPhones und iPads verramschen. Selbst Matt Gemell, der für hochwertige und entsprechend teurere Apps plädiert, hält eine Preisgestaltung nach Display-Größe für ganz natürlich:
People decide whether prices are fair based on what they think the product is worth. [...] Apps on physically smaller devices feel like they’re worth less than apps on bigger devices, because we instinctively associate size with value.
Wenn sich dieses Konzept durchsetzt, können die demnächst arbeitslosen GEZ-Außendienstmitarbeiter/innen bruchlos ein neues Aufgabenfeld übernehmen:
Guten Tag, Max Mustermann von der BSA. Dürfte ich mal eben Ihren PC für eine Google-Suche benutzen? ... Oha, 30"! Nach meinen Unterlagen nutzen Sie Photoshop CS 5 Extended seit einem Jahr auf einem 15"-Notebook...
2010-06-29
Umsteuern
Es ist doch ganz einfach so: Steuerpolitik heißt umverteilen. In solch schwierigen Zeiten müssen auch wir in der FDP uns fragen, wie wir diejenigen Bürger im oberen Einkommensbereich daran beteiligen können, dass die mittleren und unteren Einkommen entlastet werden. Die starken Schultern müssen mehr tragen. Es muss klar sein, dass wir das Auseinanderdriften zwischen Arm und Reich verhindern. Die Leistungsträger müssen dazu beitragen, den Sozialstaat zu finanzieren.
Die Berliner Reaktionen auf diese Äußerungen der Bundesjustizministerin fielen äußerst scharf aus. Oskar Lafontaine ließ sich mit den Worten zitieren, es sei total unfair
, einer anderen Partei ihr Lieblingsthema wegzunehmen, und kündigte an, sein politisches Gewicht künftig für Steuersenkungen und Einsparungen im Sozialetat einzusetzen (Selbst schuld!
).
SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles stellte einen Zusammenhang zwischen Leutheusser-Schnarrenbergers Interview und einem kürzlich aus Nahles Büro verschwundenen Redemanuskript her und erklärte, sie werde sich die geschliffenen Formulierungen Christian Lindners ebenfalls nicht mehr entgehen lassen.
2010-06-29
Zeitreise
Kein Mensch ist einzigartig, aber es ist schon ein harter Schlag, dass andere Leute nicht nur dieselben Träume haben, sondern sie auch noch viel schöner bebildern können.
2010-06-29
Eine lohnende Investition
Wirtschaftswissenschaftler sind immer wieder rührend erfoglos in ihrem Versuch, wirtschaftliche Entwicklungen längerfristig vorherzusagen. Das hindert sie natürlich nicht, ihre Modelle und Methoden mit großer Ernsthaftigkeit auf noch komplexere Zusammenhänge anzuwenden.
Bryan Kaplan, Professor für Wirtschaftswissenschaften an einer der renommiertesten Universitäten Virginias weist beispielsweise schlüssig nach, dass Kinderreichtum aus wissenschaftlicher Sicht empfehlenswert ist. Es ist wirklich ganz einfach:
- Eltern sind gar nicht so viel unglücklicher als kinderlose Paare –
It's also true that modern parents are less happy than their childless counterparts. But happiness researchers rarely emphasize how small the happiness gap is.
- Nach dem ersten Kind ist eh alles verloren –
A closer look at the General Social Survey also reveals that child No. 1 does almost all the damage. Otherwise identical people with one child instead of none are 5.6 percentage points less likely to be very happy. Beyond that, additional children are almost a happiness free lunch. Each child after the first reduces your probability of being very happy by a mere .6 percentage points.
- Engagierte Kindererziehung bringt nichts –
Parents often change their kids in the short-run, but as kids grow up, their parents' influence wears off. Many find behavioral genetics depressing, but it's great news for parents and potential parents. If you think that your kids' future rests in your hands, you'll probably make many painful
investments
— and feel guilty that you didn't do more. Once you realize that your kids' future largely rests in their own hands, you can give yourself a guilt-free break.
Nachdem also offensichtlich geworden ist, dass Elternschaft nicht so schlimm ist, wie befürchtet, schreitet Prof. Kaplan zum naheliegenden Schluss:
Once parents stop overcharging themselves for every child, the next logical step is straight out of Econ 101: Buy more. When you raise your children the easy way, another child is more likely to pass the cost-benefit test. This doesn't mean you should copy the Duggars with their 19 children; when prices fall, Econ 101 says "Buy more," not "Buy dozens." But whatever your priorities, the science of nature and nurture tilts the scales in favor of fertility.
Vielleicht sollte Prof. Kaplan mal Deductive Reasoning 101 an einer geisteswissenschaftlichen Fakultät seines Vertrauens belegen.
2010-06-23
Wolkig
Die Freiheit wird oft als der entscheidende Vorteil unserer demokratisch verfassten Freihandelszonen hervorgehoben, und tatsächlich: Wer Daten auf verschiedenen Geräten nutzen möchte, von denen mindestens eines ein iPhone oder iPad ist, hat unzählige (i.e. drei) Möglichkeiten.
- Der einfachste Weg führt natürlich in die sagenumwobene Cloud (und, wenn alles gut geht, auch wieder hinaus). Außerhalb technologisch erschlossener Weltgegenden ist die Nutzung der Cloud etwas teurer, aber dafür erleichtert man auf diesem Weg auch den Strafverfolgungsbehörden die sonst oft mühselige Arbeit.
- Apple
- Der Think Different-Weg führt über ein schnittiges weißes Kabel, das gleichzeitig in zwei der zu synchronisierenden Geräte gesteckt werden muss. Immerhin lassen sich so große Datenmengen in einer Geschwindigkeit übertragen, von denen Torrent-Nutzer nur träumen können. Ja, für Backup/Restore-Sessions ist Apples Verfahren natürlich auch viel geeigneter, Mr. Gruber.
- Hell's Kitchen
- Die Synchronisation für arme Sünder erfordert zwar kein Kabel, aber ein gemeinsames lokales WLAN für alle beteiligten Geräte. Zweitens muss jede zu synchronisierende Applikation auf dem Mac/PC und dem iPad/iPhone gestartet werden, und schließlich muss jeder Datenaustausch von Hand initiiert werden. Einige Entwickler wenden sich – vermutlich aus Angst vor Amokläufen ihrer Kunden – von dieser Variante ab und der Google-Lösung zu.
Instinktiv möchte ein Apple-Kunde natürlich dem Weg des Herrn Apples Empfehlungen folgen, aber wenn selbst John Gruber die USB-Synchronisation nicht uneingeschränkt befürwortet und Apple heimlich Patente zur Cloud-Synchronisation einreicht, will das schon etwas heißen.
Zeit für einen Praxistest. Verfügt man beispielsweise über einen Google-Account mit mehreren Kalendern, kann man den Google-Account auf dem iPad/iPhone einrichten und Google zu verstehen geben, welche Kalender auf dem iPhone erscheinen sollen. Anschließend lassen sich die Kalender parallel und uneingeschränkt auf Mac, iPad und iPhone nutzen.
Man kann aber auch Folgendes tun, um sämtliche Kalender über iTunes synchronisieren zu können:
- Open iCal, go to Preference, then to Account, finally to Delegation. Unmark all of your delegates.
- Open the app TexEdit and copy and paste this account url on your TextEdit worksheet: https://www.google.com/calendar/dav/USERNAME@gmail.com/user
- Now log into your google calendar. Once you are logged in, go to "My Calendar" on the left hand side and click on "settings"
- You then will see all the calendars on displayed. Choose one of the delegates which will take you to Calendar Details tab.
- Scroll down to Calendar Address and fine the "Calendar ID" on the right hand side. Copy the Calendar ID.
- Go back to TextEdit and replace part of the account URL, so it goes from https://www.google.com/calendar/dav/USERNAME@gmail.com/user to
- https://www.google.com/calendar/dav/Calendar ID/user (mind you that Calendar ID has a "group.calendar.google.com" suffix, so an example of the final account url may look like https://www.google.com/calendar/dav/lbuhjrlgkfoi1oqs56710vkn8zh@group.calendar.google.com/user
- Copy the altered account URL
- Go back to iCal, Preference, then Account.
- Add a new account, if you are using 10.6, under Account Type, select Caldav, and Paste the altered account URL in the Server Address box. If you are using 10.5, once you click Add an account, expand the Server Options, and Paste in the altered account URL in the Account URL box.
- Finally enter your google username and password. Click Add.
- You're done for one of your delegate accounts. Repeat the process till all of your accounts are added in this way. You will see all your calendars showing up under the Account panel in your iCal preference. Then you're done.
Das heißt natürlich nicht, dass sich anschließend auf dem iPad/iPhone Termine in die synchronisierten Kalender eintragen lassen: Es besteht lediglich Lesezugriff. Ich möchte aber nicht den Eindruck erwecken, dass Apple beim Abgleich von Google-Kalendern besonders schlecht dasteht – im Vergleich zum Austausch von Dateien zwischen Mac und iPad ist die obige Anleitung geradezu elegant. Mehr dazu: später.
2010-06-23
Schreibstube
Boulevard-Journalisten gelingt es spielend, relativ neutrale Prognosen gleichzeitig zu komprimieren und mit Aggressivität und Identifikation aufzuladen:
10 Gründe, warum wir heute Ghana schlagen
Jeder normale Mensch hätte natürlich formuliert:
10 Argumente für die Ansicht, dass die deutsche Nationalmannschaft im heutigen Fußballländerspiel mehr Tore erzielen wird als die ghanaische
Aber bei Zeitungen arbeiten auch keine normalen Menschen, zumal angehende Journalisten neben allen anderen Talenten auch eine erhöhte Treffsicherheit beim missverständlichen bis falschen Zitieren befragter Fachleute nachweisen müssen. Ein Jammer, dass dieser Berufsstand jetzt ausstirbt.
2010-06-23
Teilerfolg
Eine Schlittenfahrt in der Hölle rückt in greifbare Nähe: Danone hat sich vor einigen Wochen dazu durchgerungen, die irreführende Werbung für bestimmte Produkte einzustellen. Und zwar aus Sorge, dass ihr die verkaufsfördernden Lügen von der Europäischen Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) um die Ohren gehauen werden.
Was macht eigentlich die EFSA, wenn gerade Milchschnitten, Nutella und Kinderschokolade beworben werden? Wahrscheinlich nehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer dann ein zweites Frühstück zu sich.
2010-06-22
Christentum und Antike
Zum klassischen Heroen gehört eine ordentliche Portion Selbstüberschätzung. Diese Lektion hat sich ein nierenkranker Kalifornier zu Herzen genommen und ist mit Schwert und Medikamenten ausgezogen, einen Terroristen ums Leben zu bringen.
Allerdings hatte er dem Vernehmen nach auch christliche Literatur bei sich, und dort wird der Wert der Demut gegenüber der klassisch-heroischen Hybris sehr deutlich hervorgehoben. Man möchte mit dem verhinderten Kreuzritter nicht tauschen: Chronisch krank focht er im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan einen inneren Konflikt zwischen antiken und christlichen Leitbildern aus, ohne dass sich die Gelegenheit ergab, den gordischen Knoten in Form eines Terroristenhalses zu durchtrennen –
Er wird ganz dankbar gewesen sein, als die pakistanische Polizei ihn in Gewahrsam nahm.
2010-06-22
Vergissmein
Der niederländische Informatiker Harold van Heerde hat klug erkannt, dass Unternehmen gern Daten horten, weil man sie irgendwann mal brauchen könnte. Aus diesem Grund seien auch alle Ermahnungen durch Datenschützer für die Katz.
Um ständig wachsende Datensammlungen zu begrenzen, möchte er Daten deshalb mit einem Verfallsdatum versehen. Die Idee hat einen gewissen Charme: Eine halbverrottete Kundendatenbank könnte so zum Humus für ein Dating-Portal werden, und der monatliche anfallende Facebook-Mist würde hoffnungsvolle Spam-Firmen düngen. Die Frage ist nur: Was ist der Vorteil eines manuell zu implementierenden Verfallsdatums gegenüber einer vollautomatisch alternden Festplatte? Und was passiert, wenn man beide Methoden kombiniert und ausgerechnet das Verfallsdatum Jahre vor den eigentlichen Daten unlesbar wird? Genug Material für jede Menge Kongresse.
Der Bundesinnenminister immerhin bringt dem unerbittlichen Zahn der Zeit mehr Sympathie entgegen als Herrn Schaar, und ich habe den Eindruck, ein leises Zähneknirschen aus Wiesbaden zu vernehmen.
2010-06-20
Gereizt
Selbst äußerst populäre Persönlichkeiten reagieren zuweilen dünnhäutig auf die Herablassung der professionellen Kritik. Comic Sans ist in dieser Hinsicht keine Ausnahme.
2010-06-20
Es saugt
Bare Bones Software legt großen Wert darauf, nur erstklassige Produkte anzubieten (und hat deshalb sogar ein Produkt mit begrenztem Entwicklungspotential an eine Tochterfirma zur kostenlosen Bereitstellung übergeben). Mit der Sidekick-Funktion in Yojimbo 2.2 weicht BBSW allerdings vom Pfad der Tugend ab: Ein Export der kompletten Yojimbo-Datenbank als Website ist – trotz der gelungenen Suchfunktion – kein Ersatz für eine iPhone- oder iPad-Version. Außerdem gibt es mit Webjimbo bereits eine viel weitgehendere Integration zwischen Yojimbo und dem Web, die sogar eine direkte Manipulation der Yojimbo-Datenbank zulässt.
2010-06-18
Filesystem Light
Selbst die Apologeten des New World Computings beginnen zu akzeptieren, dass der Austausch von Daten nicht nur zwischen neuer und alter Welt, sondern auch innerhalb der neuen Welt wünschenswert ist:
A way of sharing data between applications. Something like the clipboard, but bigger. This is not a filesystem, but a way of saying
bring this data object from this app to this app. I’ve made this painting in my painting app, and now I want to bring it over here to crop it and apply filters.
Eine ziemlich gute Idee ist die Übernahme des Dienstekonzepts aus Mac OS X, mit der vielleicht sogar eine Typinator-Version für das iPad möglich wird.
2010-06-18
Schmutzige Geheimnisse
Will Frau Kroes wirklich wissen, welche Spezifikationen sich hinter den üblichen proprietären Datenformaten verbergen? Man könnte den Anbietern doch auch ihre schmutzigen Geheimnisse lassen, und sie stattdessen zwingen, verlustfreie Umwandlungen ihrer Formate in jedes aktuell verfügbare offene Format zu ermöglichen und die entsprechenden Konverter kostenfrei zu pflegen. Die Kosten für die psychologische Betreuung ihrer Entwickler müssten die Firmen natürlich auch tragen.
2010-06-17
Wirtschaftsprostitution
Erfreuliche Neuigkeiten aus Asien: Wenn alle anderen beruflichen Optionen ausgereizt sind, kann ich meine Haut zu Markte tragen. Vermutlich gelten weiße Geschäftsleute in China aber genau dann nicht mehr als respektable Geschäftspartner, wenn ich diese Rolle altersmäßig perfekt ausfüllen könnte.
2010-06-17
Die Hölle des Separatismus
Bei allem Respekt vor dem Ergebnis der kirgisischen Parlamentswahl – die Wahlsieger müssen aufpassen, dass in ihrem beschaulichen Ländchen nicht bald belgische Verhältnisse herrschen.
2010-06-17
Rätselhaft
Die russische Außenpolitik ist auch nicht mehr das, was sie mal war: Bis vor wenigen Jahren konnte man auf russische Truppen zählen, wenn die Verhältnisse irgendwo ins Rollen kamen – die Tschetschenen, Afghanen, Tschechen, Ungarn und auch die Deutschen können das bestätigen.
Aber wenn russisches Eingreifen ausnahmsweise mal erwünscht ist, ziert sich der Große Bruder. Damit ist das Duo Putin/Medjedew jetzt schon ein sicherer Anwärter auf den renommierten Enigma-Preis der Vereinigung internationaler Kremlinologen
2010-06-17
Seelenforschung
Ein exzellentes Kompendium für die Seelenzustände verzweifelter Nerds bietet McSweeney's Internet Tendency. Es treten auf: Ein Wikipedia-Admin, der die sexuellen Aspekte seiner letzten Beziehung in Ehren halten möchte, oder ein dilettierender Science Fiction-Autor, der einen gesamten Roman als Allegorie auf das verletzende Verhalten seiner Ex-Freundin verstanden wissen will (und ihr seine Interpretation des Werks in einem Beibrief en détail nahebringt) – die lose Artikelsammlung ist eine wertvolle Informationsquelle für betroffene Frauen und sehr lustig für alle anderen.
2010-06-16
Pinball Weirdo
Ich hatte immer angenommen, dass meine ererbte Begeisterung für Pinball-Simulationen wie Pinball Dreams, Pro Pinball oder Pinball HD sehr ausgeprägt sei. Bis ich heute lesen musste, wie sich echte Besessenheit äußert.
2010-06-16
Vollhomomorph
Selbst wenn es sich bei der vollhomomorphen Verschlüsselung um den Heiligen Gral der Kryptographie handelt – mit der Äußerung Du bist ja wohl vollhomomorph!
provoziert man außerhalb von Kryptographiekongressen eher ein heteromorphes Phänomen am eigenen Körper.
2010-06-16
WM-Stille
Die bemerkenswerte menschliche Fähigkeit, Unwichtiges von Wichtigem zu trennen und sich nur um Ersteres zu kümmern, zeigt sich auch am Beispiel der Fußballweltmeisterschaft und besonders der Vuvuzelas. Weil Fußball ja üblicherweise in andächtiger Stille zelebriert wird, wurde bereits der Einsatz rechtlicher Mittel gegen die Verwendung der beliebten Tröten gefordert. Viel sympathischer ist mir eine Manipulation der Geräuschkulisse in der eigenen Wohnung, durch die man den schönen Anblick vergnügt trötender Menschen mit der konzentrierten Ruhe eines professionellen Ballspiels kombinieren kann. Alternativ kann man natürlich auch den Ton abdrehen, was zusätzlich die Kommentare der Kommentatoren ausblendet.
2010-06-16
Night of the Living Twins
Von einer Hanni und Nanni-Verfilmung erwartet man good clean fun, aber das aktuelle Filmplakat erinnert eher an ein ganz anderes Genre.
Es hat den Anschein, als habe die Marketing-Abteilung einen jungen Praktikanten nicht nur mutterseelenallein vor einen Photoshop-Arbeitsplatz gesetzt, sondern ihn auch mit der Freigabe und Distribution der fertigen Plakate betraut.
2010-06-15
Frauenquote
Schröder will Unternehmen zur Frauenförderung zwingen
Was wäre das vor 11 Jahren für eine Schlagzeile gewesen.
2010-06-15
Licht und Schatten
Hätte ich den Traum von einer Karriere als professioneller Computerspieler nicht nie gehegt, müsste ich ihn spätestens jetzt begraben: In zwei Monaten energischen Hüpfens hat sich meine persönliche Doodle Jump-Bestleistung lediglich um 41,58% auf 42.970 erhöht.
Trost finde ich in der Erkenntnis, dass meine inneren Organe deutlich gesünder sind als die von Charlie Jeffrie oder AJM.
2010-06-15
Jugendschutz, leicht gemacht
Es sieht so aus, als müsse ich bis zum 1. Januar 2011 entscheiden, ob ich über meine Website, Angebote, die geeignet sind, die Entwicklung von Kindern oder Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu beeinträchtigen
zugänglich mache. Selbst wenn ich nach eingehender Prüfung zu dem Ergebnis komme, dass mein Blog offensichtlich nicht entwicklungsbeeinträchtigend
ist, ist nicht viel gewonnen. In jedem Fall muss ich mich nämlich an eine anerkannte Einrichtung der freiwilligen Selbstkontrolle
wenden, um eine ebenso anerkannte Bewertung zu erhalten. Falls die Einrichtung meine Inhalte wider Erwarten doch für problematisch hält, ist die Zugänglichkeit meiner Website auf die Zeit zwischen 23 Uhr und 6 Uhr zu beschränken. Verzichte ich auf eine Kennzeichnung, könnte meine Website von fürsorglichen Filterprogrammen aussortiert werden. Außerdem droht ein Bußgeld, falls ich versehentlich doch den von Disney und Apple definierten Bereich verlasse.
Andere Blogger empfinden den vierzehnten Rundstaatsänderungsfunkvertrag Rundfunkänderungsstaatsvertrag wahlweise als lächerlich oder empörend. Mir ist das alles einfach viel zu anstrengend, also verzichte ich auf den Traffic von Rechnern mit Kindersicherung. Und wo wir gerade dabei sind, sperre ich auch noch die Chinesen aus: Platz des himmlischen Friedens, 1989. Schönes Surfen noch.
2010-06-14
Huxley - Orwell: 1 - 1
Beim Thema Google und Datenschutz gefällt sich die Wired-Redaktion in einer Außenseiterrolle. Nachdem Peter Kirwin schon abstrakt argumentiert hatte, die Eigenständigkeit Googles sei der ideale Schutzwall gegen den staatlichen Zugriff auf Daten, die ohne Google überhaupt nicht verfügbar wären, befürchtet David Kravets nun ganz konkret, Behörden und Anwälte könnten Zugang zu den von Google erfassten WLAN-Daten erhalten. Angesichts dessen ist Googles Umsicht beim Schutz der illegalen Daten wirklich beruhigend:
U.S. District Judge Michael Mosman in Oregon has locked away the data (.pdf) as that class action proceeds. ISec Partners, a San Francisco security consulting firm, has made encrypted copies of the drives at Google’s request and destroyed the originals.
The encryption keys for these drives are possessed by only myself and one other person. and the hard drives are securely stored in a safe controlled by Google’s physical security team,Alexander Stamos, one of iSec’s founding partners, told the Oregon judge in a court filing before the data was forwarded to the Portland courthouse.
Wenn man sich überlegt, dass Google letztlich nur Geld verdienen möchte, während der Staat alle möglichen finsteren Zwecke verfolgen könnte, wäre eine Übergabe von Meldewesen und Steuerbehörden an Google langsam an der Zeit. Dann gäbe es wenigstens für jede Dienstleistung eine moderne Web-Oberfläche und niemand außer dem Google-Management und chinesischen Hackern hätte Zugriff auf unsere Daten.
2010-06-14
Schlammschlacht
Im Vertrauen auf seinen von der Welt bescheinigten guten Ruf hat Walter Mixa übrigens wieder Quartier im Augsburger Bichofspalais bezogen. Vermutlich fragen sich die Kirchenoberen bereits, was man dem braven Mann noch anhängen kann. Die Mitgliedschaft in einer reaktionären und undemokratischen Vereinigung? Unfruchtbarkeit? Wir sollten ihn in unsere Gebete einschließen.
2010-06-14
Karriere
Der innere Reichsparteitag
hat eine erstaunliche Karriere gemacht. Wurde er früher mit verschmitzt provokantem Grinsen von demokratisch gefestigten Menschen im Brustton geschichtlicher Kenntnis und impliziter Distanzierung verwendet, greifen 1065 Jahre nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler auch ZDF-Sportreporterinnen gern zu dieser prägnanten Formulierung.
Das ist allerdings etwas ungeschickt, denn außerhalb des über jeden Zweifel erhabenen Feuilletons gilt der innere Reichsparteitag noch als unsäglicher Vergleich. Die umfangreiche skandalisierende Berichterstattung zeigt, dass es viele Menschen gibt, die nicht mehr wissen, was ein Reichsparteitag war, und dass dieses Paradebeispiel für bombastische Befahnung auch während einer Fußball-Weltmeisterschaft keinen neutralen Referenzrahmen bildet. Das ist doch eigentlich ganz beruhigend. Entsprechend bemühen sich der verdienstvolle Stefan Niggemeier und natürlich der höchst betroffene ZDF-Sportchef (Das ist ein umgangssprachlicher Ausdruck, der nicht in die Fernsehsprache gehört.
), die Gemüter etwas abzukühlen.
Seltsam ist vor diesem Hintergrund höchstens, wie entspannt ein Sommersemester mittlerweile mit der Buchstabenkombination SS
abgekürzt wird, ohne dass wachsame Antifaschisten öffentlich Vorlesungsverzeichnisse verbrennen würden.
2010-06-14
Perspektivwechsel
Von Zeit zu Zeit les' ich die Springer-Presse – meiner grundsätzlichen Skepsis ungeachtet – gern, denn nur sie eröffnet einem Perspektiven, aus denen die schwersten Stunden eines Lebens im nicht stattfindenden Wechsel vom Amt einer Bundesministerin in das der Bundespräsidentin bestehen (Wann haben Sie zuletzt geweint?
) oder der gute Ruf
des ehemaligen Bischofs Walter Mixa erst im Zuge einer heimtückischen Intrige beschädigt wurde.
2010-06-13
Abschreiber
Wenn es sich bei der Zeit nicht um eine der untadeligsten Zeitungen Deutschlands handelte, könnte man fast glauben, dass sich ihre Autoren von halbseidenen digitalen Medien wie Wired und sogar Bloggern inspirieren lassen.
Der Artikel von Marc Hippler jedenfalls leiht sich die Titelmetapher (Für jedes Buch ein eigenes Regal
) und die Reflexion über die Tücken des ePub-Formats von mir, während er den Vergleich mit Video-Formaten (Man kennt das von VHS und Betamax, Blue-ray [sic!] und HD-DVD.
) aus einem allerdings an anderer Stelle zitierten Wired-Artikel übernimmt.
Vielleicht ist Marc Hippler ja ein ähnlich seriöser Journalist wie Marco Dettweiler. Dann kann ich froh sein, wenn mir das Weiterbloggen gestattet wird.
2010-06-11
Weltweites digitales Büchermanagement
Nicht nur die Zeitungs-, sondern auch die Buchverlage müssen sich im digitalen Zeitalter noch zurechtfinden. Die Ausgangslage analysiert Michael Serbinis vom eBook-Dienstleister Kobo:
Today you can buy a book at Barnes and Noble and you can buy a book at Walmart and you don’t have to keep them in separate rooms in your house, he said.You buy a book from Apple and Amazon and you have got to keep it tied up with your Apple universe or your Kindle universe.
In diesem Punkt sind Mr. Serbinis, ich und ein namhafter US-Verlag einer Meinung:
Ultimately, consumers want freedom, said David Shanks, chief executive of leading publisher Penguin Group USA.
Mr. Shanks hat sogar konkrete Vorstellungen, was jetzt zu tun ist:
Our fondest wish is that all the devices become agnostic so that there isn’t proprietary formats and you can read wherever you want to read,Shanks told Reuters.First we have to get a standard that everybody embraces.
Tja. Wenn man wenigstens einen der beiden großen Anbieter dazu bewegen könnte, einen offenen Standard zu unterstützen... bitte? Apple verwendet bereits das ePub-Format? Was genau ist dann das Problem, Mr. Shanks?
The issue,he said,is the fear of piracy and how to set a common digital rights management system to thwart it.
Ein weltweiter DRM-Standard, den alle Verlage und alle Anbieter unterstützen – das klingt nach einem interessanten, langfristigen und äußerst frustrierenden Projekt. Ich würde ja gern einen Vorschlag machen, aber nachdem sich meine letzte Idee als unausgegoren erwiesen hat, halte ich mich lieber zurück. Viel Erfolg mit der Durchsetzung eines einheitlichen DRM-Formats, liebe Buchbranche.
2010-06-11
Einstürzende Geschäftsmodelle
Die Rechtsabteilung der New York Times hat einen großen Schritt ins 20. Jahrhundert gemacht und realisiert, dass es sog. Newsreader
gibt. Diese Programme sind nach Auffassung der Hausjuristen illegal, und wie jeder richtige Bully greifen sie sich die jüngsten Newsreader, um ein Exempel zu statuieren.
Die Begründung ist bezieht sich nicht nur auf den Preis (The Pulse News Reader app, makes commercial use of the NYTimes.com and Boston.com RSS feeds, in violation of their Terms of Use
) sondern auch auf das Browser-Fenster innerhalb des Readers (The app also frames the NYTimes.com and Boston.com websites in violation of their respective Terms of Use.
).
Innerhalb weniger Stunden hat Apple den Rechtsgelehrten freundlicherweise die Funktionsweise von News-Feeds erläutert, so dass Pulse wieder verkauft werden darf. Das Thema könnte man also abschließen, wenn nicht sämtliche Mac-Geeks um ihr Lieblingsspielzeug fürchten würden – auch Instapaper entfernt schließlich Werbung von redaktionellen Inhalten und könnte den Zorn der Verlage auf sich ziehen. Zum Glück gibt Marco Arment Entwarnung:
If ads do get removed by the text parser, it's not as bad as some initially may assume: since each customer saw the complete page on the publisher's site before clicking Instapaper's Read Later bookmark, they already viewed the ads on the page.
Nutzt man Instapaper in Verbindung mit einem dieser vermaledeiten Newsreader, gilt das natürlich nicht. Deshalb hält Mr. Arment eine zweite Verteidigungslinie bereit:
If any publisher elects not to have their content readable in Instapaper, I gladly add them to an exclusion list. So far, that list has only one entry for a small Idaho newspaper's site.
Möchte sich die NY Times wirklich in eine Reihe mit einer kleinen Zeitung aus Idaho stellen? Na bitte. Darüber hinaus ist Instapaper zu sehr ein Nischenprodukt, als dass es Zeitungsverleger um den Schlaf brächte. Anders als der weniger leistungsfähige, aber von Apple selbst bereitgestellte Reader-Modus in Safari 5, der ein relativ neues Geschäftsmodell zerstören könnte, während die Ruinen des Vorgängermodells noch rauchen. Oder auch nicht. Immerhin bleibt den Verlagen neben der leserfreundlichen Gestaltung der eigenen Webseiten auch die Möglichkeit, iOS-Apps mit iAd-Integration zu veröffentlichen und Apple 40% der Werbeeinnahmen zu überlassen.
2010-06-10
Wellenbrecher
In Anbetracht des vor zwei Jahren diagnostizierten wachsenden Desinteresses an Lesestoff investiert Apple erstaunlich viel in die Darstellung von Texten. Vermutlich langweilt die Schaffung neuer Trends auf Dauer, und Steve Jobs möchte es mal mit dem Aufhalten eines bestehenden Trends versuchen.
Jedenfalls kann man Artikel im Web künftig nicht nur mit Instapaper ablenkungsfrei lesen, sondern auch mit der neuen Reader-Funktion von Safari 5. Abgesehen von der automatischen Zusammenfassung mehrerer Artikelseiten hat der Reader aber praktisch keine Vorteile gegenüber Instapaper, zumal es keinen Offline-Modus gibt.
2010-06-09
Sonnige Aussichten
Wenn Meg Whitman nach den Vorwahlen auch noch die kalifornischen Gouverneurswahlen für sich entscheidet und den finanziell unpässlichen Sunshine State ähnlich innovativ verwaltet wie ihren letzten Arbeitgeber, muss eine gewisse Liste recht bald erweitert werden. Aber vielleicht möchte Ms. Whitman nicht nur den Wahlkampf, sondern ganz Kalifornien aus ihrer Privatschatulle finanzieren. In New York City scheint das ja halbwegs zu funktionieren.
2010-06-09
Anzüglich
An welcher Stelle innerhalb einer Fahrplananwendung Szenen mit erotischen Anspielungen
erscheinen sollen, die dann auch noch häufig/stark ausgeprägt
sind, weiß wohl allein Apple. Vielleicht entwickeln die überforderten Zensoren langsam gewisse Zwangsvorstellungen.
2010-06-08
Geldausgeben leicht gemacht
In der etwas sensationsheischenden Meldung, ein kleiner Junge habe versehentlich eine unermesslich teure Juristen-App gekauft, fehlt der Hinweis, dass iTunes in der Standardeinstellung vor ungewollten Käufen warnt (bzw. auf den bevorstehenden Kauf hinweist). Wer diese Hinweise deaktiviert, kauft schon mal versehentlich teure und nutzlose Apps. Hunderttausend heulende und jaulende Höllenhunde.
2010-06-08
Zukunftsleser
Das Thema Presse und iPad hat einen gewissen Bart, bleibt aber mindestens so spannend wie das Wetter. Innerhalb weniger Wochen hat Apples Tablet die kühnsten Hoffnungen von Charlie Sorret übertroffen – es regnet Reader für Zeitungen und Magazine. Allein auf meinem iPad haben sich versammelt:
- NetNewsWire (für Feeds)
- Instapaper Pro (Offline-Reader für längere Artikel)
- Goodreader (für PDF-Dateien)
- NYT Editor's Choice
- Wall Street Journal
- BBC News
- Wired
- iBooks
Die Kombination von NetNewsWire und Instapaper eignet sich wie erwartet perfekt, um einzelne Artikel aus verschiedenen Feeds zu klauben und sie (offline) zu lesen. Anders als erwartet vermisse ich zunehmend den Gesamteindruck einer Tageszeitung. Von den großen deutschen Zeitungsverlagen hat sich ausgerechnet Springer zuerst ins Appland gewagt, und so sehr ich mir eine Zeitung auf meinem iPad wünsche: Die Springer-Presse kommt mir nicht ins Haus. Für meine Lieblingszeitung gibt es ebenfalls eine iPhone-App, deren Offline-Funktion sehr begrenzt, fehlerhaft und nicht für das iPad optimiert ist. Immerhin lässt sich die PDF-Version der SZ mit Goodreader einigermaßen komfortabel lesen, und es besteht Hoffnung, dass der Süddeutsche Verlag demnächst ein revolutionäres digitales Zeitungsformat vorstellt. Die taz hat keine eigene App, bietet aber neben PDF auch DRM-freies ePub, HTML und ASCII an. ePub-Inhalte lassen sich besser navigieren als PDF-Zeitungsseiten, wobei die inhärente Orientierung an Kapiteln und die fortlaufende Textdarstellung innerhalb eines Kapitels für die Lektüre von Zeitungen etwas gewöhnungsbedürftig ist. Die Offline-Nutzung der HTML-Version scheitert am eingeschränkten Datenaustausch zwischen iPad und Mac.
US-amerikanische Zeitungen sind noch deutlich stärker unter Druck als europäische, und sowohl die New York Times als auch das Wall Street Journal sind mit iPad-Apps vertreten. Die kostenlose NYT Editor's Choice enthält eine kleine Auswahl von Artikeln, die sich nur online lesen lassen. Das WSJ dagegen verschenkt eine Applikation, die für zahlende Abonnenten den Download jedes einzelnen Artikels ermöglicht. Beide Apps übernehmen das Layout der gedruckten Artikel nahezu unverändert.
Das gilt auch für die iPad-Ausgabe des Wired-Magazins, das mit Unterstützung von Adobe realisiert wurde. Die dafür verwendete Plattform auf der Basis von InDesign generiert allen Ernstes zwei Bilder (Hoch-/Querformat) für jede einzelne Magazinseite und garniert das Ganze mit ein wenig XML-basierter Navigation (was auch den Umfang der App von mehr als 500 MB erklärt). Oder, wie Jon Gilkison es ausdrückt: 1990’s Here We Come … Again
. Dabei ist die unveränderte Übernahme eines Drucklayouts für den relativ kleinen iPad-Bildschirm selbst unter rein optischen Aspekten keine gute Idee.
Die auch von Mr. Gilkison vorgeschlagene Lösung – die Verwendung von HTML5 – ist eigentlich naheliegend: Die App wäre nicht nur deutlich schlanker und flexibler, sie ließe sich auch parallel zur eigenen Website pflegen und weiterentwickeln. Im einfachsten Fall könnte eine Zeitung wie die taz ihre bereits angebotene HTML-Version in eine App-Hülle stecken, deren Inhalt von Abonnenten regelmäßig aktualisiert werden kann. Aber offenbar verfügen die Key Account Manager von Adobe über hypnotische Fähigkeiten, die selbst ein Technologie-Magazin davon überzeugen können, dass HTML5 nicht das Wahre ist.
Bis Zeitungen und Magazine wirklich überzeugende iPad-Apps vorstellen, werde ich mich also auf NetNewsWire, Instapaper und Goodreader verlassen müssen. Das hat wenigstens den Vorteil, dass die fürsorgliche Kontrolle von Inhalten durch Apple mich nicht betrifft. Wegen dieses Themas haben die deutschen Verleger sich übrigens bereits im März per Brief an Steve Jobs gewandt. Erfolglos. Vielleicht hätten sie es mit einer E-Mail versuchen sollen.
2010-06-08
Lernfähig
Google hat sich die Kritik von Peter Kirwin offensichtlich zu Herzen genommen und lässt keine Gelegenheit mehr aus, einen Punktsieg im epischen Ringen mit Microsoft und Apple zu landen gelandet: Indem Google Windows offiziell als zu unsicher
brandmarkt und seine Mitarbeiter zum Umstieg auf Mac OS X und Linux anhält, versetzt es auf der einen Seite Microsoft einen propagandistischen Hieb. Auf der anderen Seite muss Apple um einen Wettbewerbsvorteil fürchten: Wenn nämlich der Marktanteil von Mac OS X in den nächsten Monaten so schnell steigt, dass Macs zum lohnenden Ziel für Hacker und Virenautoren werden, kann Google Ende des Jahres sein Chrome OS als letzte Rettung präsentieren.
2010-06-03
Zielgruppenverfehlung
Das Hotelreservierungsportal HRS lanciert derzeit eine Werbekampagne, die sich ausweislich der dafür verpflichteten Prominenten an männliche Geschäftsreisende mittleren Alters richtet. Zu sehen sind:
- ein älterer Herr aus dem Sportbereich, der branchenbezogene Kalauer (aus einer Liga absteigen vs. in einem Hotel absteigen) und patriarchale Sprüche (
Essen fertig, Bett gemacht
) äußert - ein ebenfalls älterer Schauspieler, der sich milde Anzüglichkeiten (
Eine Frau. Wechselnde Hotels. Nicht umgekehrt.
) zuschreiben lässt - eine blonde und nicht vollständig bekleidete Fernsehangestellte, die etwas deutlichere Anzüglichkeiten zu Protokoll gibt
So weit, so konsistent. Der vierte Prominente aber ist Bill Kaulitz, desen Punchlines sich offenbar auf die Hysterie seiner Fans beziehen (Wozu die Aufregung? Es gibt doch noch 250.000 andere Hotels.
). Welche regelmäßig hotelreservierende Zielgruppe damit angesprochen werden soll, bleibt ein Geheimnis von Lukas Lindemann Rosinski.
2010-06-03
Besorgnis
Heute rief eine Mitarbeiterin des Apple Store bei mir an und erkundigte sich, ob mein iPad bei mir angekommen sei. Ich antwortete, dass sie andernfalls mit ziemlicher Sicherheit schon von mir gehört hätte, und sie verwies entschuldigend auf die fehlenden Lieferdaten im Tracking-System von UPS. Erstaunlich, dass ein schlampiger UPS-Lieferant das zweitwertvollste Unternehmen der USA so nervös machen kann. Vielleicht ist ja die weltweite iPad-Knappheit noch dramatischer als angenommen.
2010-06-01
Gemütsruhe
Organisationen wie die Electronic Frontier Foundation, Greenpeace und Foodwatch haben sich auf die Produktion von schlechtem Gewissen, Unbehagen und Zukunftsangst spezialisiert und halten für Fragen nach der Zusammensetzung von Lebkuchen, der Identifizierbarkeit im Web und den Konsequenzen unseres Lebensstils zuverlässig die denkbar unangenehmsten Antworten bereit. Zum Glück hat unsere Gesellschaft einen ähnlich soliden Magen wie die Kirche, denn die Mahnungen der wohlmeinenden Vereine werden gern zu einem ergoogelten Fischrezept genossen. Zum Nachtisch vielleicht einen Lebkuchen?
2010-06-01