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Vom Leben enttäuscht

Rudolf Assauer hat offenbar keine schönen Erfahrungen mit Beziehungen im beruflichen Umfeld gemacht:

In anderen Sportarten mag das vielleicht gehen, aber im Fußball funktioniert das nicht.

Kopf hoch, Rudi – nicht alle Männer sind Schweine. Vielleicht findest Du Trost in der Gewissheit, dass auch Jesus schwul war.

2010-03-29

Männerkitsch

Den sich auflösenden Geschlechterrollen zum Trotz haben Männer nach wie vor ein völlig anderes Kitsch-Konzept als Frauen. Ein schönes Beispiel für Männerkitsch liefert Marco in einem Kommentar zum Nachruf auf Dieter Grönling:

Dieter Grönling war ein ganz besonderer Mann. Nachdem wir uns mit verschiedensten Whiskys in einer Schöneberger Kneipe gegenseitig unter den Tisch zu saufen versuchten, entschied er, ein Buch von mir herauszugeben.

Wir waren beide der Meinung, dass Paddys schmeckt wie Katzenpisse und dass Glenfiddich ein Anfänger-Malt ist.

Verherrlichung von alkoholischen Getränken, Kraftmeierei, Fäkalsprache und schulterklopfende Abgrenzung von der Masse – das ist kein besonders gutes Material für einen schöne und dramatische Liebesgeschichte.

2010-03-29

Prioritäten

Verbraucherschutzministerium Ilse Aigner arbeitet sich ausgesprochen schnell in ihr neues Amt ein. Schon nach wenigen Monaten ist sie zu der Erkenntnis gekommen, dass Branchenriesen wie Facebook, Apple, Google oder Microsoft [...] im Internet ganze Persönlichkeitsprofile erstellen können und dass mit der Vernetzung und Vermarktung privater Daten [...] eine Menge Geld zu verdienen ist. Mit Verlaub, Frau Aigner – glauben Sie nicht, dass sich die Landwirte angesichts Ihrer intensiven Beschäftigung mit technischen Details vernachlässigt fühlen?

2010-03-21

Reanalyse

General John J. Sheehan hat vor dem US-Senat eine interessante Erklärung dafür gefunden, dass niederländische UN-Truppen die Enklave Srebrenica 1995 nicht gegen die Eroberung durch bosnisch-serbische Truppen verteidigt haben: Die zahlenmäßige Unterlegenheit und das fehlende Kampfmandat? Alles faule Ausreden! Die Niederländer waren schwul, und Schwulen mangelt es an Kampfmoral.

Dieser Aspekt wurde von Militärhistorikern bisher bei der Analyse von bewaffneten Konflikten sträflich vernachlässigt. Eine erneute Untersuchung ist unumgänglich, und General Sheehan sollte im Gegenzug mindestens einen Ehrendoktor der Universiteit Utrecht erhalten.

2010-03-21

Belt and Suspenders

Angesichts von Packungsaufschriften wie österreichische Leichtmilch mit 0,9% Fett, fettreduziert oder fettarme Bergbauernmilch aus Heumilch, silofrei. Kalziumangereicherte fettarme Milch (1,5% Fett) kann ich für das Kassenpersonal nur hoffen, dass Frank nie bei Hofer oder SPAR in Österreich einkauft.

2010-03-19

Unixtag

Lotta aus der Krachmacherstraße hat schon 1957 einen Begriff geprägt, der leider in Informatiker-Kreisen zu wenig Beachtung fand:

Lotta sagt Unixtag, dann meint sie Unglückstag, das ist, wenn alles schief geht.

Mit den Folgen müssen wir heute alle leben.

2010-03-18

Verwirrungspolitik

Eine Familienministerin zu berufen, die erst den Namen des Bundespräsidenten trägt – ohne mit ihm verwandt zu sein – und nach wenigen Wochen den eines Altbundeskanzlers (ohne selbigen zu ehelichen oder von ihm adoptiert zu werden), ist ein kluger Schachzug der Bundeskanzlerin. Welcher Kritiker des chaotischen Regierungshandelns wollte da noch dem beschwichtigenden Hinweis widersprechen, in der Bundesregierung sei nicht alles so, wie es auf den ersten Blick scheint?

2010-03-18

Beförderung

Das wurde aber auch mal Zeit! Nachdem berufstätige Mütter von Rabenmüttern zu Powerfrauen befördert wurden, hat Jana Hensel nun berufstätige Väter mit dem schmeichelhaften Prädikat symbolisch gewürdigt. Zu verdanken haben wir das dem Obergrünen Cem Özdemir, der völlig ironiefrei angekündigt hat, sich nach der Geburt seines zweiten Kindes volle sechs Wochen lang vornehmlich um dessen Erziehung zu kümmern.

Gemeinsam mit Özdemir haben auch Hensels Freund und viele andere Väter einen großen historischen Schritt gemacht, und manche von ihnen investieren mehr als 45 Tage in die Erziehung ihrer Kinder oder kümmern sich sogar ohne öffentliche Ankündigung. Aber...

reicht das? Oder anders gefragt: Wann werden die symbolischen Väter zu realen Vätern? Wann wird für sie der Entschluss, eine Familie zu gründen, auch einen realen Verzicht, Einschnitte und Kompromisse nach sich ziehen?

Wie bitte? Nur wegen der Kinder auf meinen Sportwagen und den Tauchurlaub verzichten? Oder meine Freizeitgestaltung ändern? So weit kommt's noch.

2010-03-14

Nebenredaktion

Für meinen gutgemeinten Ratschlag an die Verleger, sich auf den Ausbau ihrer Websites zu konzentrieren, sprechen nicht nur wirtschaftliche Erwägungen: Apple bereitet den Start des iPad vor, indem es seine Zensurkriterien verschärft und jeden Anflug von Nacktheit aus dem App Store entfernt. Da das auch die Apps deutscher Zeitungsverlage betrifft, gibt es neben technischen Mäkeleien auch ein gewichtiges Argument gegen den Kauf eines iPad.

Bisher habe ich – gegen jede Wahrscheinlichkeit – gehofft, dass es ein gelungenes elektronisches Zeitungsformat für den iPad geben würde. Jetzt wird mir langsam klar: Selbst wenn sich diese Hoffnung erfüllen sollte, wird der Inhalt jeder Zeitung durch ein unabhängiges kalifornisches Lektorat geprüft werden, dessen Mitglieder sowohl strikte Moralvorstellungen als auch eigene wirtschaftliche Interessen haben. Keine schönen Aussichten.

2010-03-13

Musikerziehung

Mit den Jahren wird man empfindlich, was die eigene Nachbarschaft angeht – selbst wenn es sich nur um die Nachbarschaft in einem Warenkorb handelt. In diesem Zusammenhang haben Pink Floyd jetzt erwirkt, dass ihre Werke auch in digitaler Form künftig nur zusammenhängend verkauft werden dürfen. Im Moment fehlt noch eine verbindliche Whitelist derjenigen Künstler, deren Alben gemeinsam mit Werken von Pink Floyd erworben werden können, aber ich habe volles Vertrauen in Robert Howe.

Sehr schön wäre natürlich auch eine Prüfung der Musikbibliothek der Käuferin auf Floyd-Kompatibilität, sowie eine entsprechende Beschränkung bei der Erstellung von Wiedergabelisten. Vielleicht sollte ich noch rasch die Pink Floyd-Diskographie kaufen, bevor iTunes den Dirty Dancing-Soundtrack entdeckt.

2010-03-11

Aus der letzten Bank

Die Bundesbank versucht ihren Bedeutungsverlust offensichtlich zu kaschieren, indem sie sich einen eigenen Westerwelle leistet – allerdings in einer etwas robusteren Ausführung, die nicht allgemein von Dekadenz schwafelt, sondern konkrete Sparmaßnahmen (Heizung runterdrehen! Kalt duschen!) vorschlägt. Insofern verwundert Sarrazins jüngste Anregung:

Zweimal Hausaufgaben nicht gemacht, Kindergeld um 50 Prozent gekürzt.

Ich hätte eigentlich ein Plädoyer für den guten, alten Rohrstock erwartet, aber vielleicht ist das schon die Altersmilde.

2010-03-10

Browser-Legasthenie

Die taz spendiert uns eine kostenlose Zeitreise in die seligen Pay Per View-Zeiten – Google verdient angeblich jährlich Unsummen nur mit dem Aufruf falsch geschriebener Domainnamen! Wenn ich den leicht indignierten Ton des Artikels – Aktuell sind Web-Browser noch nicht so schlau wie Deutschlehrer – richtig interpretiere, bewegt man sich mit der Registrierung einer alternativen Schreibweise populärer Domainnamen hart am Rande der Legalität.

Andererseits: Sollten die Browser endlich mal LCARS-Niveau erreichen, gelangen die heute noch abgelenkten Opfer vielleicht auch auf meine wundervolle Website afcebock.com statt ständig vom Typosquatter facebook.com abgefangen zu werden.

2010-03-03