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Selbstvertrauen
Jason Garrett Glaser nimmt ausführlich Stellung zu den Gedankenspielen um HTML5, Flash und VP8 und beschließt seine Analyse sehr entspannt:
But in the end, none of it matters for x264: we will continue our quest to create the best video compression software on Earth. Unlike Adobe, we don’t sit complacent when we are the best; we keep trying to become better. We add new features, improve compression, support new platforms, improve performance, and there’s far more to come. We don’t care that many H.264 encoders are so bad that they can be beaten by Theora or Xvid. We don’t care if VP8 comes out; that’s just another encoder to beat.
Gut zu wissen, dass das x264-Projekt nicht am mangelnden Selbstvertrauen seiner Mitglieder scheitern wird.
2010-02-28
Entschuldigung auf Raten
Die dänische Zeitung Politiken hat begonnen, sich bei Muslimen für die Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Mohammed – gepriesen sei sein Name – zu entschuldigen. Vernünftigerweise hat sie sich zunächst an die 94.923 lebenden Nachkommen des Propheten gewandt. Wenn die Gesamtzahl der Gläubigen sich nicht ändert, Politiken weiterhin Gruppen von jeweils 100.000 Gläubigen bildet und das Entschuldigungstempo beibehält, ist das Thema schon in 24.000 Jahren vom Tisch.
2010-02-28
Blech
Aus Bayern kommen nicht nur melancholische Meldungen, sondern auch Blasmusikkapellen. Während die meisten außerhalb ihres natürlichen Habitats eher unpassend wirken, überzeugen LaBrassBanda aus Übersee im Chiemgau sogar im Ausland. Zefix!
2010-02-27
Grüner Sheriff
Der parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Volker Beck, hat als einziger die Zeichen der Zeit erkannt. Auf die zunehmend populistische Rhetorik der Freien Demokraten reagiert er mit einem demonstrativen Bekenntnis zum gepflegten Parlamentarismus. Eine nahezu anarchische Protestaktion der Linkenfraktion im Bundestag kommt ihm da gerade recht:
[Zur] Revolution in Orange Ende 2004 in der Ukraine hätten die Grünen Orangen auf ihre Tische gelegt.
Aber das geht nur nach Absprache mit dem Präsidium, sagte Beck der taz. Die Aktion der Linken empfinde er alsgegen den parlamentarischen Betrieb gerichtet.
Da die Freien Demokraten sich freundlicherweise selbst zerlegen, steht einer Regierung Koch/Beck praktisch nur noch die verkappte Sozialdemokratin im Kanzleramt im Weg.
2010-02-27
Amateure
Bisher hat die Bild-Zeitung sich immerhin an die Grundregeln des Journalismus gehalten. Vorbei:
Killerwal tötet seine schöne Trainerin
Ich freue mich schon auf weitere brandheiße Meldungen über grasende Kühe.
2010-02-27
Erwartungshaltung
Vor einigen Tagen wurde der tiefe Graben zwischen Geeks und normalen Menschen wieder einmal hart ausgeleuchtet: Eine Laune des mächtigen Google-Algorithmus beförderte einen Artikel über Facebook Connect auf einen der vorderen Ränge der Suchergebnisse für facebook login
. Der Effekt zeigte sich in den Kommentaren (All I want to do is log in, this sucks!!!!!!!!!!!!!!!!!1
), was auf Seiten der Geeks wiederum zu Hohn und Spott führte. Etwas reflektiertere Geeks kritisierten die mangelnde Intelligenz von Google (How did it become so easy to game search engine results that an article about Facebook and AOL became the first result for ‘facebook login,’ instead of the obvious thing people are actually looking for?
) und die Qualität von Browser-UIs im Allgemeinen (How is it the fault of the users when we present them with multiple, barely-differentiated text fields within the same window. Is it really surprising that they don’t understand the differences between each?
), oder nehmen den Vorfall zum Anlass, mal wieder auf das unschuldige Konzept eines hierarchischen Dateisystems einzudreschen:
The average non-techie folks don’t know what the address bar is and they simply don’t care. All the slashes and colons are just another labyrinth to them. It’s another place that developers have exposed the file system and made things more difficult. Instead, the Google search box provides a simple, reliable command line that gives them exactly what they want. Except when it doesn’t.
Tatsächlich ist LCARS schuld an diesem Missverständnis. Wer einmal Captain Picards nicht immer völlig eindeutige Anfragen an den Bordcomputer der U.S.S. Enterprise und die mühelose Präzision der Antworten gehört hat ohne sich anschließend intensiv um einen Abgleich mit der Realität zu bemühen, wird seine hohen Erwartungen nicht mehr los.
2010-02-25
Späte Resignation
Während die Entnazifizierung bereits nach vier Jahren mit mäßigem Erfolg beendet wurde, wird die De-Baathifizierung erst sechs Jahre nach Kriegsende zu Grabe getragen.
Ist das nun ein Zeichen für gewachsenen Idealismus, oder braucht die US-Administration im 21. Jahrhundert einfach länger, um das Scheitern einer Maßnahme zu realisieren?
2010-02-25
Rassismusprävention
Eine kürzlich veröffentlichte US-amerikanische Studie kommt zu dem Schluss, dass Kinder von sich aus eher Kontakt zu Kindern der gleichen Ethnie haben, obwohl ihre Eltern die sichtbaren ethnischen Unterschiede bewusst nicht thematisieren. In den meisten Fällen verfolgen die Eltern mit ihrer Erziehung das Ziel, den Kindern die Unerheblichkeit ethnischer Unterschiede zu vermitteln. Dass dieses Ziel ausweislich der Studie selten erreicht wird, verführt Jonathan Liu in seinem Artikel How to Raise Racist Kids zu dem aberwitzigen Schluss, das Schweigen über Ethnien sei ursächlich für Rassismus. Möge (Gott|Allah|Jahwe) jeder sorgfältig erstellten Studie gnädig sein, die in die Hände eines Journalisten fällt.
2010-02-22
Frustrationstoleranz
Ich gehe weniger oft auswärts essen als Mr. Wineman, aber ich habe mir fest vorgenommen, künftig regelmäßig Restaurant-Websites mit meinem iPod touch abzurufen. Sonst lohnt sich der teure Yoga-Kurs nicht.
2010-02-22
Schnäppchen
Das wäre mir allerdings auch peinlich: Eine Stunde mit dem Ministerpräsidenten des bevölkerungsreichsten Bundeslandes für nur 6000 Euro zu verhökern! Rüttgers' offenes Ohr ist doch locker das Doppelte wert! Oder handelt es sich etwa um ein Angebot im Schlussverkauf?
2010-02-21
Sein und Schein
Liebe Klappentexterinnen, liebe Klappentexter: Ich möchte in Beschreibungen von Filmen und Büchern nicht mehr lesen, dass jemand einem grauenhaften Geheimnis aus der Vergangenheit auf die Spur kommt
oder dass nicht alles so ist, wie es scheint...
. Es wäre nett, wenn Sie künftig auf diese Versatzstücke verzichten könnten. Danke!
2010-02-21
Ehrenrettung
In den vergangenen Tagen konnte den Mitgliedern der Bundeswehr wieder nach Herzenslust ein archaisches Männlichkeitsideal und eine bedenkliche Neigung zu Rauschmitteln unterstellt werden. Aber ist die Bundeswehr wirklich ein Hort tumber Trunkenbolde mit reaktionären Vorstellungen? Einen Hinweis auf die eigentliche Problematik liefert der ehemalige Berufssoldat Dirk Niebel, der während seiner Dienstzeit nach eigener Aussage seine psychischen und physischen Grenzen
kennengelernt hat – offensichtlich ist das Eingeständnis nervlicher und körperlicher Überlastung auch bei Fallschirmjägern keine Schande. Hingegen vermeidet Herr Niebel die naheliegende Erwähnung seiner intellektuellen Grenzen. Hier scheint das eigentliche Tabu zu liegen.
Es ist aber doch ein offenes Geheimnis, dass die Wehrdienstzeit für viele Soldaten eine geistige Überforderung darstellt. Die intensive Beschäftigung mit dem Konzept der inneren Führung verschafft ihnen häufig nicht das Gefühl von Legitimität, sondern von Unzulänglichkeit. Gerade in den Eliteeinheiten der verschiedenen Waffengattungen erinnert die Dienstzeit häufig an ein fortgeschrittenes staatsrechtliches Seminar, und auch die Beurteilungspraxis ist den Gepflogenheiten Rechtswissenschaftlicher Fakultäten sehr ähnlich. Bildungsferne Rekruten setzt selbst die scherzhafte Aufforderung, das Grundgesetz innerhalb der ersten Woche auswendig zu lernen, da man es bekanntlich nicht immer unter dem Arm tragen kann, unter erheblichen Druck.
Wen wundert es da, dass sie sich in einer Art Übersprungshandlung in Drogenkonsum und pubertäre Mutproben flüchten? Vielleicht könnte Herr Niebel seinen verbleibenden politischen Einfluss nutzen, um zusätzliche Kriterien (Latinum, juristisches Prädikatsexamen etc.) in die musterungsärztliche Begutachtung einfließen zu lassen. Der ehemalige Gebirgsjäger Dr. jur. Karl-Theodor zu Guttenberg wird ihm dabei sicher keine Steine in den Weg legen.
2010-02-21
Gezeitenwechsel
Ein Time Machine-Backup besteht nicht bloß aus Kopien irgendwelcher Dateien – zwischen dem gesicherten Mac und der Sicherungsfestplatte besteht ein nahezu unauflösliches Band. Das macht sich bemerkbar, wenn sich die MAC-Adresse des Macs ändert (etwa durch den Austausch des Logic Board, oder wenn man das Backup unabhängig vom Mac auf eine andere Festplatte übertragen hat und dort weitere inkrementelle Sicherungen durchführen will. In beiden Fällen wird das bestehende Backup ignoriert. Unter Mac OS 10.5 konnte man der Zeitmaschine mit einigen Tricks sowohl einen veränderten Mac als auch eine neue Festplatte unterschieben, aber in Mac OS 10.6 haben die gestrengen Apple-Ingenieure auch diesen Pfad einigermaßen verbaut (durch die Entfernung von fsaclctl aus dem System).
Folgt man nur dem ohne größeren Aufwand durchführbaren Teil der Anweisungen aus den genannten Anleitungen und benennt das Backup-Bundle um, bietet Mac OS X immerhin an, das Bundle für weitere Sicherungen zu verwenden. Das anschließende Backup dauert ewig und besticht durch die stundenlang unveränderte Statusmeldung Backing up 154 KB of 321,97 GB...
. Weil der Backup-Prozess sich über Tage zieht und mehrfach gestoppt werden muss, werden einige außerdem .inprogress-Pakete erzeugt, die den Umfang eines vollständigen Backups weit übersteigen und teilweise manell entfernt werden müssen. Nichtsdestotrotz: Am Ende steht ein vollständiges Time Machine-Sparsebundle, das auch die alten Sicherungen enthält. Hooray.
2010-02-18
Zwiespalt
Auch ohne die dringlichen Warnungen des BSI vor allzu großer Offenherzigkeit in sozialen Netzwerken bin ich mir der Problematik vollständig bewusst. Nur eine Frage plagt mich: Wo, wenn nicht auf Facebook, kann ich einem möglichst großen Publikum kundtun, dass ich bereits in zwei Umgebungen des wundervollen Ramp Champ eine goldene Trophäe eingeheimst habe?
2010-02-15
Ein sanftes Ruhekissen
Es ist sicher eine beglückende Erkenntnis für Michael Billen, dass nicht alle Politikerinnen so verblendet sind wie seine rheinland-pfälzischen Parteifreunde. Die bayerische Justizministerin Beate Merk hat nämlich im Münchner Merkur erläutert, wie vorbildhaft die Verwendung illegal beschaffter Daten sein kann, und was für die Bekämpfung der Steuerhinterziehung gilt, sollte doch erst recht für den Kampf gegen die Sozen gelten.
2010-02-15
Liberaler Mindestlohn
FDP-Chef Guido Westerwelle hat sich überraschend deutlich für flächendeckende Mindestlöhne ausgesprochen:
Wenn man in Deutschland schon dafür angegriffen wird, wenn man sagt, dass derjenige, der arbeitet, mehr haben muss als derjenige, der nicht arbeitet, dann ist das geistiger Sozialismus.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt reagierte auf Westerwelles Äußerungen ungewohnt einsilbig (Et tu, Brute?
).
2010-02-15
Leistung lohnt sich wieder
Wenn jemand einem TPM-Chip monatelang mit Gasen und Flüssigkeiten, einem Focused-Ion-Beam-Mikroskop und Photoshop zu Leibe rückt, dann hat er auch ein kleines Erfolgserlebnis verdient. Ein Jammer, dass so eine beeindruckende Leistung in unserer Sozialistischen Union der Germanischen Provinzen nicht möglich gewesen wäre.
2010-02-14
Spielverderber
Es ist schon etwas ärgerlich, dass Google die Verwendung der Übertreibung als Stilmittel konsequent unterläuft: Gerade hatte ich angesichts von Google Public DNS und der vorgeschlagenen DNS-Erweiterung scherzhaft angeregt, dass wir uns alle ein identifizierbares Chrome-Netbook zuweisen lassen, da kündigt Google an, künftig auch als Internet-Provider aufzutreten. Nachdem ich mich über die automatische Analyse von Gmail-Nachrichten lustig gemacht hatte, wird der Gmail-Dienst jetzt zum sozialen Netzwerk Buzz ausgebaut. Ich sage jetzt gar nichts mehr.
2010-02-09
Diversifizierung
Die OPEC Microsoft sorgt vor.
2010-02-09
Genetik
Wenn ich in Genetik etwas besser aufgepasst hätte, würde mich folgende Erläuterung der Praxis der jüdischen Gemeinden in Deutschland nicht so überraschen:
Das Prinzip, dass Jude oder Jüdin nur ist, wer von einer jüdischen Mutter geboren wurde oder konvertiert ist, verdeutlicht, dass das Judentum eine Religion ist. In der ehemaligen Sowjetunion galten Juden als Volk, weshalb der Vater für den Status ausschlaggebend war.
Wenn das gesamte Erbgut mit Ausnahme des Gottesgens vom Vater stammt, sind Kinder mit ihrer Mutter ja kaum verwandt! Da ist es nur folgerichtig, dass die CSU diese fragile Bindung mit einem Betreuungsgeld unterfüttern möchte. Aber dann sollte eine Beantragung durch Väter vernünftigerweise ausgeschlossen werden. Sonst finden die armen Kleinen nie Zugang zu der fremden Frau, die mit im Haus wohnt.
2010-02-08
Rettungsring
Auf den digitalen Hühnereien der Zeitungsverleger herumzuhacken ist nicht sehr fair, denn wer würde im Angesicht des finanziellen Ruins nicht panisch reagieren – außer Rupert Murdoch? Mr. Murdochs Antwort auf die Frage, wie man Menschen zum e-Abonnement bewegt, ist bekannt (An offer you can't refuse
), aber leider bieten ehrlose Verräter gewisse Medien ihre Informationen immer noch kostenlos an. Vermutlich muss sich die Presse statt eines zwingenden also ein überzeugendes Angebot einfallen lassen.
Statt ständig an neuen Formaten herumzubasteln, sollten die Zeitungsverlage ihre Websites so ausbauen, dass die Druckausgaben neben ihnen verblassen. Wenn ein Verlag allerdings in diese Richtung denkt, dann träumt er offenbar von komplexen Flash-, Silverlight- oder Air-Anwendungen, was zu absurden Vorhersagen führt:
Lieb gewonnene redaktionelle Gewohnheiten – wie das schnelle Ändern eines Artikels kurz vor Druckschluss – werden bei einem elektronischen Magazin viel schwieriger umzusetzen sein, wenn überhaupt.
Das ist natürlich Quatsch. Es gibt für die flexible Bereitstellung von Texten keine Alternative zu einer standardbasierten Website. Mit einem guten CMS kann eine Website sogar mehrere (öffentliche) Revisionen eines Artikels verwalten, so dass die Nutzerinnen die Anpassung eines Kommentars an den Informationsstand nachvollziehen können.
Und weil den Verlegern die Umsonstkultur im Internet ja ein Graus ist: Sollten Sie meinem Rat folgen wollen, sende ich Ihnen gern meine Kontoinformationen für die Überweisung meines Beraterhonorars.
2010-02-07
NetBook Pro (Revision 2)
Mit meiner etwas zurückhaltenden Einschätzung des iPads bin ich nicht ganz allein (Well, like any bright shiny gadget announcement my initial impulse is always, I have to have that. But then reality sets in: do I really need a third device?
), aber ein wachsender Chor von Beseelten betrachtet das iPad als Beginn des New World Computing. Ihre Argumente sind sogar einigermaßen plausibel:
The people don’t want
tablet computerswith Ubuntu and OpenID (worst name ever for a product attempting broad acceptance). They could honestly give a shit whether it’s a closed or open system. And, let’s be really honest, they probably care as much about DRM as they do about baseball players juicing; by which I mean not very much at all. They want things to work most of the time, and be easy to fix when they don’t. And if the process by which it happens is “magic” they are totally cool with that.
Da könnte was dran sein. Dass Leute wie ich es nicht schaffen, aus eigener Kraft einen Massenmarkt zu bilden, lässt sich kaum leugnen. Immerhin hatten wir bisher das zwiespältige Vergnügen, die Rolle von Schamanen in einem MMORPG zu spielen:
Secretly, I suspect, we technologists quite liked the idea that Normals would be dependent on us for our technological shamanism. Those incantations that only we can perform to heal their computers, those oracular proclamations that we make over the future and the blessings we bestow on purchasing choices. [...]
I'm often saddened by the infantilising effect of high technology on adults. From being in control of their world, they're thrust back to a childish, mediaeval world in which gremlins appear to torment them and disappear at will and against which magic, spells, and the local witch doctor are their only refuges.
Diese wilden Zeiten könnten also demnächst vorbei sein, auch wenn man nicht gleich das Ende des freien Internets beschwören muss. Was mache ich dann bloß mit meiner vielen Freizeit?
2010-02-07
Unfair
Die wiederkehrenden Vorstöße zur Abschaffung der Netzneutralität haben vor allem geschäftliche Gründe, denn während die Anbieter von Inhalten und Dienstleistungen prächtig verdienen
, sinken die Margen der... Moment. Die Anbieter von Inhalten verdienen prächtig? Diese Nachricht wird die Herren Sulzberger, Döpfner, Murdoch, Burda und Holtzbrink freuen: Jetzt müssen sie nur noch herausfinden, an welcher Stelle in ihren Konzernen die prächtigen Gewinne versickern, dann können sie sich mit Google versöhnen und die digitale Revolution willkommen heißen.
2010-02-07
Anfängerpech
So ein Pech. Ausgerechnet bei einem Thema, das die Freien Demokraten mit Verweis auf ihr Bundeswahlprogramm (Datenschutz gehört ins Grundgesetz.
) als Exempel für ihre freiheitliche Gesinnung verwenden könnten, unterstellt man ihnen den Schutz wohlhabender Wählergruppen. Woher kommt nur so viel Misstrauen gegenüber einer durch und durch honorigen Regierungspartei?
2010-02-07
Juwel
Auf die schorfresistente Apfelsorte Topaz bin ich erstmals 2004 auf einem Mainzer (Bio-)Wochenmarkt gestoßen. Frische Topaz-Äpfel sind geschmacklich so ziemlich allen üblichen Sorten weit überlegen. Seit dem letzten Jahr tauchen sie zunehmend auch in normalen Supermärkten und sogar bei Discountern auf – in der Regel als Bio-Apfel. Ganz erfreulich, dass es noch Alternativen zu überzuckerten Industriesorten wie Cripps Pink/Pink Lady gibt.
2010-02-07
Hochmut und Fall
Panierte Gemüsestäbchen sind unter Ernährungsaspekten deutlich besser als ihr Ruf (8% Fett, 1% gesättigte Fettsäuren, 2,6% Zucker, 0,4% Salz), und die Bezugsgröße für die GDA-Angaben (5 Stäbchen) der Firma Iglo ist auch einigermaßen realistisch. Bei der Ermittlung des GDA-Anteils für Salz mit 43% (statt 25% bei einer GDA von 2,4g) ist das Unternehmen sogar bescheidener als nötig. Alles wäre wunderbar, wenn sich die Iglo-Packungstexter nicht während des Schlussapplauses verhaspelten:
Geeignet für vegane Ernährung. [...] Dieses Produkt wird im selben Werk wie unsere Fischstäbchen hergestellt und kann daher Spuren von Fischeiweiß enthalten.
Ich sehe es quasi vor mir, wie Käpt'n Iglo auf dem 27. Bundesveganertreffen in Herford breit lächelnd erklärt, das bisschen Fischeiweiß schmecke man gar nicht.
2010-02-07
Escape from Babel
Mark Pilgrim ist etwas kompromissbereiter als Richard Stallman und benutzt wenigstens proprietäre Hardware. Software-seitig hat er nach 20 Jahren als Mac-Entwickler realisiert, dass Apple nicht Canonical ist:
I’m creating things now that I want to be able to read, hear, watch, search, and filter 50 years from now. Despite all their emphasis on content creators, Apple has made it clear that they do not share this goal. Openness is not a cargo cult. Some get it, some don’t. Apple doesn’t.
Konkret macht er Apple dafür verantwortlich, dass Dateiformate kommen und gehen. Es ist auch wirklich zu blöd, dass sich PNG-, HTML- oder ODF-Dateien auf dem Mac überhaupt nicht öffnen lassen!
2010-02-06
Relativität
Wann immer ich mich zu kleinlichen Mäkeleien hinreißen lasse, lenkt die Vorsehung meinen Blick auf das große Ganze. Im Zusammenhang mit dem iPad und seiner von mir bedauerten Geschlossenheit übernimmt Richard Stallman die Rolle der Vorsehung. Der Gründer der Free Software Foundation (FSF) und GNU-Initiator wurde kürzlich für die Reihe The Setup befragt und gab zu Protokoll, welche Hardware/Software er verwendet. Auf die Frage nach seinem dream setup antwortete er:
I would ideally like to have a machine with the speed and memory of a laptop, and the display size of a laptop too, combined with the same freedom that I have now on the Yeelong. Until I can have them both, freedom is my priority. I've campaigned for freedom since 1983, and I am not going to surrender that freedom for the sake of a more convenient computer. I do hope to switch soon to a newer model of Yeelong with a 10-inch display.
Wenn ich nicht bereits einer Sekte angehören würde, wäre die FSF auf jeden Fall meine erste Wahl (die Mitgliedschaft ist mit $10/Monat auch erheblich billiger). Nach der Lektüre des Interviews ist mir jedenfalls klar geworden: Wenn man die überragende Convenience von Apple-Produkten schätzt, sollte man sich nicht über mangelnde Freiheit beklagen.
2010-02-05
Mitleser
Irgendwie stört mich die Vorstellung, dass mir ein Bot beim Lesen und Schreiben von E-Mails über die Schulter sieht. Woher weiß ich denn, dass er sich beim Bot-Stammtisch nicht über meinen unbeholfenen Stil lustig macht oder meine lustigsten Rechtschreibfehler der letzten fünf Jahre zum Besten gibt?
2010-02-04
Juristen können alles
Die neue IT-Beauftragte der Bundesregierung heißt Cornelia Rogall-Grothe, eine Juristin ohne ausgewiesene IT-Expertise. Wenn man bedenkt, wie oft verantwortliche IT-Positionen an Juristinnen, Germanisten oder Wirtschaftswissenschaftlerinnen gehen, kann man jungen Leuten eigentlich nicht mehr guten Gewissens ein anstrengendes Informatikstudium empfehlen.
2010-02-04
Leserflut
Andere Menschen machen sich offenbar weniger Sorgen wegen der unkontrollierten Vermehrung digitaler Bücherregale: Von den fünf Apps, die Charlie Sorret unbedingt auf dem iPad sehen möchte, gehören gleich vier zur Kategorie Newsreader/eBook-Reader.
Vielleicht handelt es sich aber auch nur um vorauseilende Bedürfnisanpassung. Geht es nach Apple und Adobe, wird man seine Büchersammlung nämlich künftig nicht nur auf mehrere Applikationen verteilen können, sondern müssen. Immerhin erhält man damit schon beim Kauf eines Buches einen Einblick in die Geschäftsbeziehungen auf dem Buchmarkt – Suhrkamp-Werke lassen sich vielleicht nur über Stanza lesen, Rowohlt-Veröffentlichungen sind grundsätzlich im iBookstore erhältlich.
Im Zentrum des Problems stehen ausnahmsweise nicht konkurrierende Formate – sämtliche Anbieter mit Ausnahme von Amazon setzen auf ePub – sondern konkurrierende DRM-Schichten desselben Formats. Unglücklicherweise handhabt ePub das Thema DRM sehr liberal, und diese Gelegenheit, den digitalen Buchmarkt zu fragmentieren, lässt natürlich kein DRM-Anbieter mit etwas Selbstachtung ungenutzt.
2010-02-04
Schrot
Es ist erfreulich, dass die Presseindustrie nicht nur die Fehler der Musik- und Filmindustrie wiederholt, sondern auch ganz eigene, originelle Fehler macht. Statt digitale Vertriebskanäle jahrelang zu blockieren, feuern die Qualitätszeitungen – wenn man mir das etwas schiefe Bild verzeihen möchte – aus allen digitalen Rohren.
Die New York Times zum Beispiel bietet ihre Inhalte auf der regulären Website an, über eine iPhone-App, über die Times Skimmer-Weboberfläche, über den mit Adobe Air entwickelten Times Reader sowie über die kostenpflichtige, Flash-basierte Electronic Edition an. Der Reader und die Electronic Edition sind die einzige Möglichkeit, die Times-Artikel offline zu speichern und zu lesen, und nur die Electronic Edition enthält den kompletten Inhalt einer Times-Ausgabe im gewohnten Layout.
Die Zeiten, in denen Amerika das Maß aller Dinge war, sind allerdings vorbei, und selbst das Oberflächen-Wirrwarr der Times kann nicht mit dem der Süddeutschen Zeitung mithalten. Neben der regulären Website pflegt man in München eine mobile Variante, eine kostenlose iPhone-App, eine kostenpflichtige iPhone-App (mit Abo-Modell), eine reguläre ePaper-Edition (als HTML- und als PDF-Version) sowie eine mobile ePaper-Edition (nur HTML). Die vollständige SZ liefern nur die abonnierbaren ePaper-Versionen, Offline-Zugriff hat man aber nur über die reguläre ePaper-Variante (als PDF) sowie über die kostenpflichtige iPhone-App.
Auch für das iPad wird es natürlich angepasste Versionen geben – die Times hat bereits eine modifizierte iPhone-App präsentiert, und die SZ wird sicherlich bald mit einer Platin-Version ihrer App nachziehen.
Ganz offensichtlich wollen die Zeitungsverlage sich nicht nachsagen lassen, sie hätten es nicht mit allen denkbaren Vertriebskanälen und Formaten gleichzeitig versucht. Dahinter steht vermutlich die vage Hoffnung, dass die Nutzerinnen irgendwann von der Dauerberieselung genervt sind und ein Abo abschließen. Diese Strategie funktioniert allerdings nur, wenn die Zeitungsvertriebler jedes einzelne Abonnement voll Dankbarkeit und Demut begrüßen und sehr viel Zeit für die Etablierung eines nennenswerten Abonnentenstammes einplanen.
2010-02-03
Wissensdrang
Wer den Wissensdrang von Google bisher als jugendlichen Übermut eines noch jungen Unternehmens belächelt hat, sollte jetzt langsam erschaudern: Selbst wenn die Nutzerinnen sich nicht von Googles kostenlosem DNS-Dienst beglücken lassen, möchte Google alles über den Ausgangspunkt einer DNS-Anfrage wissen und schlägt eine entsprechende Erweiterung des DNS-Protokolls vor. Ich schlage vor, wir kürzen die ganze Sache ab und lassen uns alle ein Chrome OS-Netbook mit eindeutiger IPv6-Adresse zusenden, das man ausschließlich im Googlenet nutzen kann. Diese Salamitaktik macht einen ja ganz kribbelig.
2010-02-03
On Being Evil
Nachdem das Häschen-Image des Großen Bruders in den vergangenen Jahren etwas gelitten hat, bemüht sich jetzt auch der nette Buchhändler von nebenan um ein teuflischeres handfesteres Profil.
Was eignet sich dafür besser als der Aufbau eines Monopols? So schwer ist das ja nicht: Man entwickelt eine proprietäre eBook-Plattform und lädt alle Verlage ein, ihre Titel künftig über diese Plattform anzubieten. Wenn ein Verlag frech wird – und etwa die Preise für die eigenen elektronischen Titel bestimmen möchte – wirft man alle Titel des Frechlings aus dem Sortiment. Natürlich auch die gedruckten Fassungen. Das wird ihn Mores lehren!
Leider geht die Geschichte nicht so gut aus. Statt diesen lästigen Großverlag wie eine Schabe zu zerquetschen, kapituliert Amazon vor Macmillans monopoly over their own titles
und gibt strong disagreement
zu Protokoll. Putzig. Wenn das so weitergeht, kaufen die unverschämten Kunden demnächst sogar iPads statt Kindles.
2010-02-02