Das Prinzipat des Augustus beendete die lange Phase der Republik, die nur von relativ kurzen Diktaturen unterbrochen worden war. Die neue Staatsform war geprägt von der ständigen Vorherrschaft eines Einzelnen, obwohl Augustus selbst die Wiederherstellung der Republik für sich beanspruchte. Für Zeitgenossen galt er als republikanischer Princeps, d.h. als erster Mann der Republik.
Die wichtigste Quelle zum Prinzipat stellt eine Inschrift dar, die „Res Gestae Augusti“. Sie wurde in einer Abschrift in Ankara (ehemalige Provinz Galizien) gefunden und war urpsünglich auf zwei Bronzetafeln am Mausoleum des Augustus angebracht. Augustus selbst hat sie geschrieben und seine Ansichten über das Wesen des Prinzipats dargelegt. Die Inschrift ist sowohl eine orientalisch anmutende Selbstdarstellung als auch eine römische ritualisierte Lobrede. Sie besteht aus vier Abschnitten:
Die zeitgenössischen Dichter (Ovid, Horaz, Vergil) wurden von Augustus zur politischen Einflußnahme in seinem Sinn benutzt.
Das früheste Geschichtswerk zur Kaiserzeit hat Velleius Paterculus (geb. 20 v. Chr.) verfaßt. Er war Offizier im Heer des Tiberius und den Claudiern treu ergeben. Sein Werk schrieb er 29/30 n. Chr. Es behandelt die Zeit von der Gründung Roms bis zur damaligen Gegenwart. Velleius beurteilt das Prinzipat positiv, daher wird er häufig als Lobredner des Tiberius bezeichnet. Maßstab für diese Kritik ist Tacitus, dessen größerer Abstand zum Geschehen allerdings eher für Velleius spricht.
In seinen Annalen (1.1) schreibt Tacitus, er wolle ohne Haß und Vorliebe berichten, wleches Ziel er nach allgemeiner Ansicht verfehlt hat. Er ist durchaus gegen das Prinzipat eingestellt und beklagt die Zertsörung der libertas,der Integrität und Gleichheit der republikanischen Lebensform. Augustus habe alle Macht an sich gerissen, seine Gegner vernichtet und damit die freiwillige Unterwerfung der übrigen Adeligen und der Provinzn bewirkt. Trotzdem erkennt er die Vorteile der neuen Ordnung - Frieden und Wohlstand - an. Die meisten zeitgenössischen Kritiker urteilten wie Tacitus: sie prangerten Augustus’ Herrschsucht ohne amtliche Legitimation und seinen sündigen Lebenswandel an. Die Bewunderer des Prinzipats dagegen heben die positiven pragmatischen Folgen der Machtergreifung hervor.
Sueton (geb. 70 n. Chr.) verfaßte 12 Kaiserbiographien, darunter die des Augustus. Er urteilt nüchterner als Tacitus, betreibt allerdings eine eher private Lebensdarstellung als politisch-wissenschaftliche Historiographie. Cassius Dio aus Nicäa, ein Mitglied der Führungselite des Reiches unter Septimius Severus verfaßte von 205 bis 230 n. Chr. ein Geschichtswerk, das als sehr gute Quelle zur Kaiserzeit gilt, weil Cassius durch fiktive Reden seine eigene Meinung zum Ausdruck bringt und ein Idealbild des Prinzipats zeichnet.
Während heute die Herrschaft eines Einzelnen in Europa prinzipiell als negativ betrachtet wird, wurde der Wandel nach dem endlosen Bürgerkrieg mehrheitlich durchaus begrüßt, so daß die ieologischen Kritiker in der Minderheit waren. Umstritten ist, ob Augustus seine Ziele zwischen 27 und 30 v. Chr. änderte, oder ob das Prinzipat seine ursprüngliche Absicht war.
Theodor Mommsen sah im Prinzipat ein verfassungsrechtliches Problem: Augustus übte seine Herrschaft durch die auctoritas, d.h. durch sein Ansehen und seine Kompetenz, aus, ohne ein Amt einzunehmen, das seine Stellung rechtfertigte. Mommsen bezeichnete diese Staatsform als Dyarchie, als Herrschaftsteilung zwischen dem Senat und Augustus. Kritiker warfen ihm vor, er habe die politische Realität des Prinzipats vollkommen verkannt, obwohl Mommsen betont, daß die Dyarchie der rechtliche Rahmen der tatsächlichen Alleinherrschaft gewesen sei. Den vierten Band seiner „Römischen Geschichte“, der die realen Verhältnisse behandeln sollte, schrieb er nie.
Seit Mommsen standen die staatsrechtlichen Fragen des Prinzipats im Vordergrund: E. Meyer schrieb 1918, Caesar habe das Kaisertum geplant, Pompeius dagegen das Prinzipat, und Augustus sei eher ihm als seinem Adoptivvater gefolgt. Willhelm Weber sprach in präfaschistischen Parolen vom Blut, Mut und der Kraft des Augustus, die dessen Größe ausgemacht hätten. Auch das Italien Mussolinis orientierte sich an Augustus und organisierte 1937 eine große Ausstellung.
Eine neue Richtung in der Forschung leiteten Matthias Gelzer (1912) und Friedrich Münzer (1920) mit ihrer Betrachtung der Stuktur der römischen Nobilität und des Klientelsystems ein. Anton von Premerstein (1937) bemerkte, Augustus sei faktisch der Patron des gesamten römischen Volkes gewesen. In den 30er Jahren wurden zunehmend auch die Machtstukturen des Prinzipats untersucht: schon Münzer benutzte eine Methode, die Louis Namier 1929 als Prosopographie bezeichnete, und die sich mit Biographien und Ämterlaufbahnen von Mitgliedern der Führungsschicht sowie mit ihren Verflechtungen und Abhängigkeiten befaßt.
Ronald Syme kam 1939 durch diese Methode zu dem Schluß, Augustus sei durch die führenden Ritter gefördert worden. Innerhalb eines Herrschftssyndikats sei Augustus das erfolgreichste Mitglied gewesen. Syme nimmt an, hinter jeder Staatsform stehe eine Oligarchie. Die Berücksichtigung anderer Quellen ergibt allerdings ein anderes Bild als die Prosopographie: es gab am Ende der Republik keine stabilen Allianzen. Die Betrachtung von Laufbahnen und Biographien schließt persönliche Sympathien und Abneigungen aus und ist deshalb oft ungenau.
Als Biographen des Augustus sind Victor Gardthausen und D. Kienast hervorzuheben, zur Ideologie des Prinzipats schrieben A. Alföldi, der dazu auch Münzkunde und Archäologie benutzte, und J. Béranger. Seit den 60er Jahren wird auch die Bildpropaganda der augusteischen Zeit - P. Zanker „Die Macht der Bilder“ - stärker betrachtet. Christian Meier schrieb 1966 in „Res Publica Amissa“, die Krise der Republik sei ohne Alternative gewesen, ihre Hülle sei zur Legitimation des Siegers geblieben.