1 Begriffsbestimmung

Im Westen Deutschlands war das Nationsthema bis zur Wende in der DDR 1989 nicht aktuell. Die Lösung „Wir sind das Volk!“, die während der Demonstrationen in der DDR aufkam, stellte eine Forderung nach der Souveränität der DDR-Bevölkerung als Nation dar und hatte als solche Ähnlichkeiten mit den Forderungen des dritten Standes in der französischen Revolution. Kurze Zeit später änderte sich die Parole in „Wir sind ein Volk!“. Gemeint war die gesamte deutsche Nation und gefordert wurde ein gemeinsamer deutscher Staat. Auf diese Weise wurde dem Westen die „Nation“, seit 1945 ein Problembegriff, wieder aufgezwungen. Eine neue Art der Auseinandersetzung mit der nationalen Identität war gefordert, während bisher das „nationale Bewußtsein“ immer in die Nähe von Nationalismus und Nationalsozialismus gerückt worden war. Seit der Wiedervereinigung ist Deutschland ein Nationalstaat, der erstmals sichere, anerkannte Grenzen hat.